Wirtschaft : Streik bei Hyundai beendet

SEOUL (AFP).Unter dem Druck drohender Polizeigewalt gegen die streikenden Arbeiter des südkoreanischen Autoherstellers Hyundai haben Geschäftsführung und Gewerkschaft ihren Konflikt beigelegt.Das Unternehmen versprach, erheblich weniger Stellen zu streichen als geplant.Die Vereinbarung kam am Montag morgen nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon zustande und bedarf noch der Zustimmung der Arbeiter.Statt 1538 sollen 277 Hyundai-Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren.Die übrigen sollen eineinhalb Jahre unbezahlten Urlaub nehmen, wovon sie sechs Monate zur Weiterbildung nutzen sollen.Das Verhandlungsergebnis stieß auf scharfe Kritik bei den Streikenden.Diese hatten vor vier Wochen die Arbeit niedergelegt, um die Entlassungen abzuwenden.

Mit der Drohung, das Fabrikgelände stürmen zu lassen, hatten die Behörden Gewerkschaft und Unternehmensführung an den Verhandlungstisch gezwungen.Der Durchbruch erfolgte, nachdem sich Arbeitsminister Lee Ki Ho persönlich in die Verhandlungen eingeschaltet hatte.

Gewerkschaftschef Kim Kwam Shik zeigte sich glücklich über den Verhandlungserfolg, mit dem der drohende Polizeieinsatz abgewendet sei.Nun gelte es aber noch, "Verärgerung und Widerstand" bei den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern zu überwinden, sagte er.Unter diesen wurden heftige Vorwürfe an die Gewerkschaftsführung laut."Wir haben dafür gekämpft, daß niemand entlassen wird.Wir sind nicht soweit gegangen, um zu dieser Vereinbarung zu kommen", zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap einen Streikenden.Auch ein Unternehmenssprecher räumte ein, daß viele Beschäftigte mit dem Ergebnis nicht zufrieden seien.Beobachter schlossen eine Ablehnung des Kompromisses durch die Gewerkschaftsmitglieder daher nicht aus.

Der Streik beim größten Autohersteller des Landes kostete die südkoreanische Volkswirtschaft nach Schätzungen umgerechnet rund zwei Mrd.DM.Wirtschaftsexperten äußerten sich zwiespältig zum Ende des Arbeitskampfes: Damit sei zwar eine blutige Niederschlagung mit der Gefahr landesweiter Unruhen vermieden worden; doch weiterhin fehlten klare Reformen.

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