Wirtschaft : Streik der Piloten führt zu 500 Flugausfällen

Lufthansa-Tochter Cityline fordert neues Angebot

Rainer W. During

Berlin - Wegen des Pilotenstreiks bei der Tochtergesellschaft Cityline hat die Lufthansa am Donnerstag 360 ihrer 2000 Flüge streichen müssen. Betroffen waren alle deutschen Flughäfen, besonders München, wo die Regionalfluglinie etwa die Hälfte aller Lufthansa-Flüge bestreitet. Dort fielen 90 Dienste aus. Der Streik, mit dem die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit höhere Gehälter durchsetzen will, dauert bis Freitagmittag.

Bereits am Morgen hatte die Lufthansa Getränke und Snacks an gestrandete Passagiere verteilen lassen. Die Fluggesellschaft war bemüht, betroffene Reisende auf andere Flüge umzubuchen. Innerdeutsch konnten die Fluggäste mit ihren Tickets auch auf die Bahn ausweichen. Ferner versuchte der Konzern, teilweise größere Maschinen einzusetzen. In Berlin waren 13 Verbindungen vom Streik betroffen, darunter alle vier Flüge von und nach Nürnberg, je zwei nach Brüssel, Paris und Zürich sowie jeweils einer nach Düsseldorf, Dublin und Wien. Auf allen Strecken gab es aber Parallelangebote anderer Gesellschaften oder Umsteigemöglichkeiten über das Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt am Main, so dass es in Tegel zu keinen größeren Problemen kam.

Für Freitagvormittag rechnet die Lufthansa mit dem Ausfall von 140 der 170 Cityline-Flüge. Passagiere können sich im Internet (www.lufthansa.de) oder unter der Nummer 0800-8506070 informieren, ob ihr Flug betroffen ist.

Es handelt sich bereits um den dritten Streik, seit sich die Mehrheit der organisierten Piloten der Cityline sowie der Lufthansa-Töchter Eurowings und Germanwings für einen Arbeitskampf ausgesprochen hat. Zuletzt hatten die Cockpit-Besatzungen ihre Arbeit am 22. und 23. Juli niedergelegt.

Die Gewerkschaft forderte die Cityline auf, ein nachgebessertes Angebot vorzulegen. „Was jetzt auf dem Tisch liegt, halten wir nicht für ausreichend verhandlungsfähig“, sagte eine Sprecherin. Die Tarifkommission habe das bisherige Angebot der Cityline als „untragbar“ bewertet. „Wir sind in keinem Fall bereit, in einen erneuten Verhandlungsmarathon einzutreten“, sagte Ritter. Eine konkrete Forderung nannte sie nicht. Man wolle sich aber an den Piloten des Mutterkonzerns Lufthansa orientieren, die deutlich mehr verdienen als Cityline-Beschäftigte.

Die Cityline hatte zuletzt eine Gehaltserhöhung um 5,5 Prozent in zwei Stufen sowie eine Einmalzahlung von 7000 Euro für jeden Flugkapitän und 5000 Euro für jeden Co-Piloten angeboten. Die Lufthansa forderte Cockpit zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und erklärte, man würde einen neutralen Schlichter akzeptieren. „Ich bleibe optimistisch, dass wir uns in relativ kurzer Zeit einigen“, sagteLufthansa-Personalchef Stefan Lauer am Mittwochabend.

Derweil ist der jahrelange Tarifkonflikt beim Essenslieferanten Gate Gourmet beigelegt. Wie die Gewerkschaft Verdi und die Firma mitteilten, einigten sie sich auf eine Einmalzahlung von 300 Euro sowie eine zweistufige Lohnerhöhung von 4,65 Prozent für die 650 Beschäftigten. Sie versorgen unter anderem Air Berlin, LTU und Singapore Airlines mit Lebensmitteln.Rainer W. During

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