Wirtschaft : Streik und Flaute im Karstadt-Warenhaus

Protest gegen „Tarifpause“ und Investor Berggruen.

Ausstieg.
Ausstieg.Foto: dpa

Essen - Mitarbeiter des Karstadt-Konzerns sind am Dienstag aus Protest gegen den Austritt des Unternehmens aus dem Tarifvertrag in den Streik getreten. An der vorübergehenden Aktion beteiligten sich nach Angaben eines Sprechers der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rund 40 Beschäftigte des Warenhauses im Main-Taunus-Zentrum im hessischen Sulzbach. Der Karstadt-Sprecher wies darauf hin, dass das Warenhaus „ganz normal“ geöffnet habe.

Karstadt hatte am vergangenen Montag angekündigt, eine zweijährige „Tarifpause“ für die rund 20 000 Beschäftigten einlegen zu wollen. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen vor, durch den Ausstieg aus der Tarifbindung den bestehenden Tarifkonflikt im Einzelhandel „unnötig“ verschärft zu haben. Der Warenhauskonzern spart durch den Tarifausstieg in zwei Jahren nach Informationen aus Unternehmenskreisen geschätzte 36 Millionen Euro.

In einem an die Kunden verteilten Flugblatt fordert die Gewerkschaft den Karstadt-Investor Nicolas Berggruen auf, seine „Schatulle“ zu öffnen und endlich in das Unternehmen zu investieren. Schließlich habe die Belegschaft seit 2004 bereits einen Beitrag in Höhe von mehr als 650 Millionen Euro erbracht. Der Milliardär hatte den Warenhauskonzern im Jahr 2010 aus der Insolvenz übernommen. Die Geschäfte laufen offenbar aber deutlich schlechter, als von Berggruen erwartet.

Karstadt muss auch im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 nach Informationen des „Handelsblatts“ weiter mit Umsatzrückgängen kämpfen. Bis Ende April habe der Konzern einen Umsatzrückgang um zehn Prozent im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum hinnehmen müssen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Zahlen aus Unternehmenskreisen. In den ersten sieben Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe der Umsatz bei 1,8 Milliarden Euro gelegen. Im Gesamtjahr 2011/12 sei ein Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erzielt worden. Aktuelle Zahlen zur Ergebnisentwicklung seien nicht bekannt.

Ein Karstadt-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte die Betriebsräte des Unternehmens erst in der vergangenen Woche auf die weiter schwierige Situation im deutschen Einzelhandel hingewiesen. Die Verjüngung von Karstadt sei eine „harte und herausfordernde Reise“, heißt es in dem Redemanuskript. Das Warenhausunternehmen habe im Rahmen seines Programms „Karstadt 2015“ bislang bereits gute Erfolge erzielt und mehr als 40 Prozent seines „Marathons“ zurückgelegt, so Jennings. dpa

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