Wirtschaft : Streiks auf dem Bau, bei Telekom und Post

NAME

Berlin (Tsp). Im Tarifkonflikt am Bau hat die IG Bau am Montag mit der Urabstimmung begonnen. Bis Freitag können nun bundesweit rund 340 000 Gewerkschaftsmitglieder entscheiden, ob es erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte zu einem Arbeitskampf am Bau kommt. Dazu ist eine Zustimmung von 75 Prozent erforderlich. Der Ausstand könnte dann am nächsten Montag beginnen. Die Gewerkschaft fordert 4,5 Prozent mehr Geld für die rund 850 000 Beschäftigten. Die Arbeitgeber haben für dieses und das kommende Jahr Erhöhungen von 3,0 und 2,1 Prozent angeboten. Unterdessen setzte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre Warnstreiks bei der Post in mehreren Bundesländern fort. Am Nachmittag sollte die dritte Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft und der Deutschen Post AG in Münster beginnen. Verdi fordert für die bundesweit rund 240 000 Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Einkommen. Die Arbeitgeber wollten noch im Verlauf des Montags ein Angebot vorlegen.

Auch bei der Telekom begleiteten am Montag Warnstreiks die dritte Verhandlungsrunde in Bonn, wo die Arbeitgeber erstmals ein Angebot vorlegten. Verdi veranschlagte das Angebot mit 3,1 Prozent, die Telekom sprach von 3,8 Prozent. Die Bewertung des gesamten Angebotspakets sei jedoch kompliziert, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Die Stimmung sei „ ziemlich aufgeheizt“. Den Angaben zufolge wollte die Telekom die Entgelte ab Juli um 3,8 Prozent und am 1. Mai 2003 um weitere drei Prozent erhöhen. Auch bei der Telekom fordert die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die bundesweit rund 130 000 Beschäftigten. Zur Unterstützung der Forderung beteiligten sich laut Verdi am Montag 7500 Telekom-Mitarbeiter an Warnstreiks. Arbeitsniederlegungen habe es unter anderem in München, Berlin und Frankfurt (Main) gegeben. Dort war nach Gewerkschaftsangaben längere Zeit die Telefonauskunft nicht zu erreichen. Am Verhandlungsort in Bonn versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben 1700 Telekom-Mitarbeiter aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, dem Saarland und Rheinland-Pfalz.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte die Aktionen scharf. „Die von Verdi angekündigte neue Streikwelle verschärft die Wirtschaftskrise und ist ein unverantwortlicher Angriff auf die Sozialpartnerschaft und die Tarifautonomie“, sagte Hundt der Deutschen Presseagentur in Berlin. Es werde immer deutlicher, „dass die Gewerkschaften mit Verdi an der Spitze eine Gegenmachtstrategie nach dem Muster der siebziger Jahre verfolgten“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände.

Der Verhandlungsführer der Bau-Arbeitgeber, Thomas Bauer, bedauerte unterdessen den Streikfahrplan der IG Bau. Die Gewerkschaft habe viel zu früh mit dem Arbeitskampf begonnen, kritisierte Bauer im Deutschlandradio. „Wir hätten uns einfach noch etwas länger zusammensetzen müssen.“ Bauer betonte, die Bauwirtschaft befinde sich im achten Jahr der Rezession. Vielen Unternehmen gehe es „unglaublich schlecht“. Ein IG-Bau-Sprecher signalisierte die grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft der Gewerkschaft, aber bislang liege noch kein neues Angebot der Arbeitgeber vor. Dies hatte die Gewerkschaft zur Voraussetzung für neue Gespräche gemacht.

Die Schlichtung im Tarifstreit am Bau war Anfang Juni gescheitert. Arbeitgeber und IG Bau hatten sich nicht auf einen Kompromiss einigen können. Die IG Bau fordert 4,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber boten zuletzt Lohnerhöhungen von drei Prozent ab September 2002 und weitere 2,1 Prozent für zwölf Monate ab April 2003 an. Besonders erschwert wurden die Tarifverhandlungen dadurch, dass sich Arbeitgeber in West und Ost in wichtigen Punkten wie der Erhöhung des Mindestlohnes untereinander nicht einig sind. Bereits am vergangenen Freitag hatten sich an bundesweiten Warnstreiks der Gewerkschaft nach deren Angaben mehr als 40000 Bau-Beschäftigte auf rund 2500 Baustellen beteiligt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben