Wirtschaft : Streiks bei Air Berlin ab Mittwoch

Konflikt um feste Arbeitszeiten spitzt sich zu

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Welcher Flug fällt aus? Das wissen die Passagiere vermutlich erst Mittwoch. Foto: dapd
Welcher Flug fällt aus? Das wissen die Passagiere vermutlich erst Mittwoch. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Die gewerkschaftlich organisierten Piloten von Air Berlin wollen ab diesem Mittwoch streiken und damit Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen. Wann, wo und wie lange gestreikt wird, wollte die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) am Montag nicht sagen. „Der Arbeitgeber soll nicht die Gelegenheit haben, Gegenmaßnahmen vorzubereiten“, hieß es dazu bei VC. Den Piloten geht es um die Festschreibung von fixen, planbaren Arbeitszeiten. Das Unternehmen lehnt das ab. „Die wollen uns jeglicher Flexibilität berauben“, sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel auf Anfrage. Die Airline sei weiterhin offen für Gespräche und könne im Übrigen „nur an die gemeinsame Verantwortung gegenüber den Fluggästen appellieren“. Welche Flüge betroffen sein werden, wusste auch Hauptvogel nicht zu sagen. „Wir müssen abwarten.“

Der Tarifkonflikt bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft hat eine Historie. Erstmal verhandelten die Piloten mit der Air-Berlin-Führung im Februar 2009 über bessere Arbeitsbedingungen. Im vergangenen August einigten sich die Kontrahenten dann endlich auf einen Vorvertrag und der Konflikt schien gelöst. „In der sich anschließenden Redaktion zum endgültigen Tarifvertrag kam es jedoch zu unterschiedlichen Auslegungen der Vereinbarungen des Vorvertrags“, hieß es dazu am Montag in einer Mitteilung von VC. Die Version des Unternehmens dagegen: Man habe den Piloten (erfolglos) eine Schlichtung angeboten; alles in allem hätte die Gewerkschaft ihre Forderungen immer weiter nach oben geschraubt, so Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel.

Den Piloten geht es vor allem um verlässlichere Arbeitszeiten. „Bislang gibt es jede Menge Dienstplanänderungen ohne Vorankündigung“, sagte ein VC-Sprecher auf Anfrage. Ferner solle in den Dienstplänen der „Bio- und Schlafrhythmus“ der Piloten berücksichtigt sowie die Bereitschaftszeiten eingeschränkt werden; Dienstzeiten von bis zu 30 Stunden inklusive Bereitschaft seien keine Seltenheit. Schließlich fordert die Pilotengewerkschaft eine stärkere Besetzung bei Langstreckenflügen. Air Berlin sei bei den Einsätzen noch immer nur mit zwei Piloten unterwegs, andere Gesellschaften dagegen mit drei, argumentiert die VC.

Mit wie viel Wucht die Piloten den Arbeitskampf am Mittwoch beginnen, ist weitgehend unklar. Beim Unternehmen heißt es, man wisse nichts über die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder und damit potenziellen Arbeitskämpfer in den eigenen Reihen. VC macht darüber keine Angaben, um sich nicht in die Karten gucken zu lassen. Schaden für Air Berlin gibt es bereits mit der Ankündigung eines Streiks, da Flugreisende in den kommenden Tagen eine Buchung bei der Gesellschaft womöglich zu vermeiden suchen. Alfons Frese

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