Wirtschaft : Streiks gefährden ersten langen Sonnabend

Verdi und Arbeitgeber uneins über Zuschläge

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Düsseldorf (cs/HB). Den verlängerten Ladenöffnungszeiten am Sonnabend droht in vielen deutschen Städten der Fehlstart. An diesem Sonnabend können die Läden erstmals von den neuen Öffnungszeiten bis 20 Uhr Gebrauch machen, doch eine tarifliche Regelung für die Beschäftigten fehlt dazu bis jetzt. Mit gezielten Streiks, so kündigte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an, wolle man unter anderem höhere SpätarbeitsZuschläge an den Sonnabenden durchsetzen.

Noch klaffen die Forderungen weit auseinander. Während die Gewerkschafter nach 14 Uhr bis zu 75 Prozent Aufschlag verlangen, sind die Arbeitgeber nach Auskunft von Heinz Trompetter, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nordrhein-Westfalen, nur zu einer Mehrzahlung von 20 Prozent bereit. Ab 18 Uhr stellt der größte deutsche Arbeitgeberverband im Einzelhandel ein Plus von 25 Prozent in Aussicht. Wo es am Sonnabend zu Arbeitsniederlegungen kommen wird, soll bis Freitagabend geheim bleiben, sagte Verdi-Tarifkoordinator Rüdiger Wolff.

Eine misslungene Premiere der verlängerten Sonnabendöffnung wäre für den Einzelhandel ein harter Rückschlag. Nach einer überraschenden Zunahme des privaten Verbrauchs hatte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) seine Umsatzprognose für das Jahr 2003 am Mittwoch von minus 1,5 Prozent auf minus 1,0 Prozent heraufgesetzt. Von der längeren Öffnung am Sonnabend erhofft sich Landesverbands-Geschäftsführer Trompetter nun weitere Impulse. „Falls dadurch die Konsumlust wieder geweckt wird, ist auch an neue Arbeitsplätze zu denken“, sagte er.

Doch die erlaubten Öffnungszeiten bis 20 Uhr werden, so eine Umfrage des HDE, selbst in den Innenstädten nur neun Prozent der Händler komplett ausnutzen. Als einer der wenigen gilt das schwedische Einrichtungshaus Ikea, das bereits seit etlichen Wochen für den verlängerten Einkauf wirbt. Auch der Modekonzern C&A wird zunächst an sämtlichen Standorten bis 20 Uhr öffnen. Danach werden es aber nur noch zwei von drei Häusern sein. Insgesamt wollen laut HDE-Umfrage rund 60 Prozent der Geschäfte in den deutschen Innenstädten sonnabends später schließen, meist aber schon um 18 Uhr. Nur gut ein Viertel der befragten Händler rechnet dabei tatsächlich mit positiven Impulsen für die Umsatzentwicklung.

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