Streiks : Verdi und Telekom verhandeln wieder

Die Telekom und Verdi wollen nach wochenlangen Streiks wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Erste Gespräche sollen bereits morgen statt finden.

Telekom-Streiks
Telekom und Verdi wollen wieder verhandeln.Foto: ddp

Bonn/BerlinNach fast fünfwöchigem Streiks bei der Deutschen Telekom kehrt die Gewerkschaft Verdi an den Verhandlungstisch zurück. Das beschloss die Große Tarifkommission nach einer Sitzung in Bonn. Nachdem erkennbar geworden sei, dass sich das Management auf Verdi zubewege, sei die Gewerkschaft zu Wiederaufnahme der Gespräche bereit, erklärte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Ein Telekom-Sprecher begrüßte die Entscheidung. Die Verhandlungen sollen bereits an diesem Mittwoch aufgenommen werden.

Der neue Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger hatte vor einer Woche mit einem verbesserten Angebot die Wiederannäherung der Tarifparteien ins Rollen gebracht. Danach sollen die von der geplanten Auslagerung in Service-Gesellschaften betroffenen 50.000 Mitarbeiter unter anderem einen Erfolgsbonus erhalten. Außerdem würde die Telekom erhebliche Beträge in die Weiterbildung investieren. Zugleich zeigte sich Sattelberger über alle Punkte des geplanten Stellenumbaus verhandlungsbereit, nicht aber über das Auslagerungskonzept.

Einsparungen von mehr als 4 Milliarden bis 2010

Auf einer Fachtagung in Düsseldorf verteidigte Konzernchef René Obermann abermals die geplanten Einsparungen. Diese seien unvermeidlich, um den Konzern wettbewerbsfähig zu machen. Bis zum Ende der Dekade sollten 4,2 Milliarden bis 4,7 Milliarden Euro eingespart werden, bekräftigte Obermann. Durch den Stellenumbau will die Telekom die Kosten um bis zu 900 Millionen Euro senken.

Wie Verdi-Bundesvorstand Schröder weiter sagte, sei es das Ziel der Gewerkschaft, für die Beschäftigen einen Schutz vor den Folgen der Auslagerung zu erreichen. Leider halte die Telekom ebenso "störrisch wie uneinsichtig" an der Ausgliederung der Beschäftigten in neue T-Service-Gesellschaften fest.

Einkommensverluste sollen aufgefangen werden

Verdi verbinde mit der Rückkehr an den Verhandlungstisch vor allem die Erwartung, dass die Einkommen gegebenenfalls unter Berücksichtigung künftiger Tarifrunden gesichert und negative Wirkungen beim Betriebsübergang minimiert werden, betonte Schröder. Die Telekom hatte zuletzt angeboten, die Grundgehälter in mehreren Stufen um 9 Prozent abzusenken und die Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden zu erhöhen. Im Gegenzug sollten neue Stellen geschaffen werden und ein Kündigungsschutz bis 2012 vereinbart werden.

Schröder stellte in Aussicht, für die Dauer der Verhandlungen die Arbeitskampfmaßnahmen "deutlich zu reduzieren". Die Telekom müsste aber bereit sein, das angekündigte Informationsschreiben zum Betriebsübergang zurückzustellen. Eine Deeskalation des Konflikts setze einen erfolgreichen Verhandlungsverlauf voraus. Die Telekom will zum 1. Juli drei neue Service-Gesellschaften unter dem Dach der T-Service gründen. Bei einem Scheitern der Verhandlungen will das Unternehmen die Ausgliederung ohne Zustimmung von Verdi umsetzen. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben