Wirtschaft : Streit bei der Berliner Elektro Holding

BERLIN (rtr).Zwischen dem Großaktionär und dem Aufsichtsrat der Berliner Elektro Holding (BEH) ist es auf der Hauptversammlung in Berlin zu einem offenen Streit gekommen.Der BEH-Gründer und Großaktionär Manfred Bernau sagte am Dienstag vor Aktionären des Unternehmens, die Vorschläge seiner Familie seien im Aufsichtsrat der Holding einfach vom Tisch gewischt worden.Es gehe ihm nicht darum, selbst mehr Einfluß auszuüben, sondern darum, den Einfluß der Banken auf die Berliner Elektro einzudämmen.Aufsichtsräte warfen der Familie Bernau, die rund 25 Prozent der Aktien hält, vor, sie wolle über den Aufsichtsrat Druck auf den Vorstand ausüben.

Anlaß des Streits war ein Antrag der Familie Bernau, die beiden Bankenvertreter im Aufsichtsrat abzuwählen und durch "unabhängige Unternehmer" zu ersetzen.Vorstandschef Reinhold Heibel sagte, er hoffe, daß der Streit bald beigelegt werde.Die Auseinandersetzung habe dem Unternehmen geschadet.Dadurch sei in den vergangenen Wochen der Kurs der Aktie von 48 auf 36 DM gesunken.Die Beschäftigung der Beteiligten mit sich selbst sei nicht motivierend.

Aufsichtsrat Hans Detlev von Garnier entgegnete der Familie Bernau, das Gremium und der Vorstand seien in unternehmerischen Entscheidungen einer Meinung.Nur der Aufsichtsratsvertreter Maximilian Bernau, ein Sohn des Gründers, sperre sich gegen alle Entscheidungen.Langfristig gehe es der Familie darum, Druck auf den Vorstand auszuüben und ihn gar auszutauschen.

Vertreter der Kleinaktionäre unterstützten den Vorstand.Ursula Klein von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz sagte, die Neuausrichtung der Gruppe auf das Kerngeschäft mit Elektro- und Verkehrstechnik sowie Sicherungselektronik sei richtig.Nun solle das Gerangel zwischen der Familie Bernau und der Geschäftsführung des Unternehmens beendet werden, das vor allem den Kleinaktionären schade.Auch sperre sich die Familie gegen die Umwandlung von Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien, bemängelte sie.Bernau senior sagte, er rechne nicht damit, daß seine Vorstellungen zum Aufsichtsrat durchkämen.Schließlich vereine die Familie nur 39 Prozent der anwesenden Stimmen, die Banken dagegen hätten auf der Hauptversammlung rund 48 Prozent.

Die Holding ist in der Elektro-, Verkehrs-, Banken- und Chipmontagetechnik sowie in der Hochtechnologie engagiert.Bei einem Umsatz von 1,8 Mrd.DM wird in diesem Jahr ein Gewinn von 50 Mill.DM erwartet.Laut Vorstandschef Heibel ist das Unternehmen weiter an Übernahmen interessiert.

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