Streit im DGB : Hofmann und Bsirske wollen Freunde sein

IG Metall und Verdi legen mit einem Kooperationsabkommen den Streit um Zuständigkeiten in der Logistik bei.

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Gruppenbild mit Dame: Verdi-Chef Frank Bsirske, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann sowie  DGB-Chef Reiner Hoffmann.
Gruppenbild mit Dame: Verdi-Chef Frank Bsirske, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann...Foto: dpa

Den Gewerkschaften geht es nicht gut genug, als dass sie sich Konflikte untereinander leisten könnten. Sollte man meinen. Doch es gibt die Feindschaft der beiden Bahn-Gewerkschaften, von denen die eine zum DGB gehört (EVG) und die andere zum Beamtenbund (GDL). Aber selbst unter dem Dach des DGB ist viel möglich. Die IG Metall und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben sich vor rund anderthalb Jahren zerstritten, als es um die Zuständigkeit für den einen oder anderen Betrieb in der Logistikbranche ging. Die Vorsitzenden Detlef Wetzel und Frank Bsirske hatten sich so verkeilt, dass man sich aus dem Weg ging. Der Zusammenhalt des DGB war in Gefahr.

Der DGB-Chef musste als Moderator ran

Nun, nach zahllosen Gesprächen, häufig unter Moderation des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann, steht ein Friedensabkommen. Mit einer Kooperationsvereinbarung für Logistikunternehmen, das sind zum Beispiel Speditionen die ganz überwiegend für einen Auftraggeber arbeiten und häufig auch auf dessen Werksgelände angesiedelt sind, wollen beide Gewerkschaften nun die Zuständigkeiten neu regeln. Wenn zum Beispiel ein Logistiker auf dem Werksgelände von BMW oder Airbus tätig ist, dann ist künftig die IG Metall zuständig. Außerhalb des Werksgeländes ist eher Verdi am Zug.

Auf Basis der neuen Vereinbarung wollen sich die neuen Partner nun darüber verständigen, wer welchen Betrieb organisiert. Man habe jetzt „eine gute Grundlage für eine intensivere Zusammenarbeit beider Gewerkschaften“, betonte Jörg Hofmann, der Detlef Wetzel im vergangenen Oktober an der Spitze der IG Metall abgelöst hatte. Verdi-Chef Bsirske äußerte sich ähnlich. Der durch die Digitalisierung und Globalisierung ausgelöste Strukturwandel „stelle neue Anforderungen an die Gewerkschaften, die wir gemeinsam innerhalb des DGB lösen wollen“, ließen sich die beiden Vorsitzenden in einer Mitteilung zitieren.

Die IG Metall war auf Distanz zum DGB

Auf diese Formulierung dürfte Bsirske Wert gelegt haben, da sich die IG Metall in jüngster Zeit distanziert zum DGB verhalten hatte. So bekam der Annäherungsprozess zwischen den beiden größten deutschen Gewerkschaften einen Dämpfer, als die IG Metall im Oktober eine Satzungsänderung beschloss, um sich künftig Schiedsverfahren des DGB nicht mehr unterwerfen zu müssen. Eben solche Schiedsverfahren des Dachverbandes sind aber dazu da, Organisationsstreitigkeiten unter den acht DGB-Gewerkschaften zu lösen.

Auf Schiedsverfahren verzichten will ein Viererbündnis der Industriegewerkschaften Metall, Chemie und Bau mit der Eisenbahngewerkschaft EVG, das unter Führung der IG Metall im April letzten Jahres gebildet worden war – damals auch deshalb, um Bsirske/Verdi zu isolieren. Den DGB wollen die vier Partner nur noch in absoluten Ausnahmefällen um Hilfe bitten, die Konflikte sollen stattdessen zwischen den beteiligten Gewerkschaftsvorständen gelöst werden. Zwischen Verdi und der IG Metall ist das offenbar noch nicht möglich – das Viererbündnis bleibt jedenfalls vorerst ein Viererbündnis.

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