Wirtschaft : Streit über Lage auf dem Lehrstellenmarkt

Stihl spricht von "Panikmache"

NÜRNBERG (AFP).Angesichts gegenwärtig weit über 100 000 fehlenden Ausbildungsplätzen haben die Arbeitsämter am Mittwoch eine große Lehrstellenaktion gestartet.Zum "Tag des Ausbildungsplatzes" schwärmten rund 10 000 Mitarbeiter in Betriebe aus, um weitere Lehrstellen für zu akquirieren.Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit standen Ende Mai 320 000 unvermittelten Bewerbern nur 135 000 Ausbildungsplätze gegenüber.Der Aktionstag löste eine Diskussion über Möglichkeiten zur Lösung der Krise aus.Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers und Bundesjugendministerin Claudia Nolte sprachen sich für eine Entlastung der Unternehmen aus.Dagegen forderte die DAG eine Abgabe für nicht ausbildende Betriebe.Mehrere Vertreter der Arbeitgeberseite erklärten, die Lage sei nicht so dramatisch, wie es den Anschein habe. Die Aktion der Arbeitsämter wurde unter anderem von Rüttgers, der SPD, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der katholischen Kirche unterstützt.In diesem Jahr sind 13 000 Jugendliche mehr auf Lehrstellensuche als 1996, einschließlich der unvermittelten Bewerber des vergangenen Ausbildungsjahres.Bis zum Jahr 2007 wird die Zahl der Schulabgänger weiter steigen.Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, wies den vom Präsidenten des DIHT, Hans Peter Stihl, erhobenen Vorwurf der "unverantwortlichen Panikmache" zurück.Die Zahlen seien weder geschönt noch dramatisiert.Stihl hatte gesagt, er sei sicher, daß zum Start des neuen Lehrjahres jeder einen Ausbildungsplatz bekommen habe, der es ernsthaft wünsche.Handwerkerpräsident Philipp sagte, auch in den vergangenen Jahren sei stets eine Lehrstellenkatastrophe vorhergesagt worden, die dann aber doch ausgeblieben sei, weil "sich alle angestrengt haben".Dagegen betonte Nolte: "Fakt ist, daß über 300 000 Jugendliche noch immer nicht wissen, wo sie im September anfangen sollen." Zur Entlastung der Unternehmen forderte Rüttgers die Abschaffung des zweiten Berufsschultags im zweiten und dritten Ausbildungsjahr.Dies wies die DAG als "Bankrotterklärung" zurück.

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