Wirtschaft : Streit um Atomkraft in der EU

Paris und London setzen langfristig auf Akws.

von

Berlin - In der Europäischen Union bahnt sich eine Diskussion über den Rang der Kernkraft bei der künftigen Energiepolitik an. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ dringen Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien vor einem Treffen der europäischen Wirtschafts- und und Energieminister Ende kommender Woche darauf, dass in der EU der Bau neuer Kernkraftwerke genauso gefördert wird wie die Wind- und Sonnenenergie. Auch wenn ein Sprecher des französischen Industrieministers Eric Besson die Forderung einer Subventionierung der Kernkraft dementierte, wird unter den EU-Staaten die künftige Nutzung der Atomenergie derzeit breit diskutiert. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte am Freitag, dass es vor dem nächsten Treffen der EU-Energieminister eine „laufende Debatte“ über den langfristigen Energiemix in den EU-Staaten gebe.

Die dänische EU-Ratspräsidentschaft hatte die Mitgliedstaaten vor dem kommenden Energieministerrat um eine Stellungnahme zum EU-Energiefahrplan bis zum Jahr 2050 gebeten. Dabei hatten sich unter anderem Großbritannien und Frankreich für eine Berücksichtigung der Atomkraft im künftigen Energiemix ausgesprochen. So hatte die Regierung in Paris verlangt, dass die Atomkraft als emissionsarme Energiequelle eingestuft werden müsse.

In Brüssel erklärte EU-Energiekommissar Günther Oettinger, er stehe der Idee, Subventionen für die Atomenergie zu verteilen, „zurückhaltend gegenüber“. In Deutschland hatte zuvor der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, gesagt, es sei „Absurdistan in Reinkultur“, wenn ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima Milliardensubventionen für die Atomkraft gefordert würden.

Wie die EU-Länder ihren Energiemix gestalten und gleichzeitig ihre Ziele bei der Minderung der Treibhausgasemissionen einhalten, bleibt ihnen selbst überlassen. So hat die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 beschlossen, während in anderen EU-Ländern neue Atomkraftwerke geplant werden. Dabei setzt vor allem Frankreich wie kein anderes Land in Europa auf die Kernkraft. Das Milliardenprojekt des internationalen Forschungsreaktors Iter im südfranzösischen Cadarache profitiert von einem europäischen Finanzierungsanteil von 45 Prozent. Albrecht Meier

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben