Wirtschaft : Streit um Ausgabetermin für Euro-Bargeld

BRÜSSEL (AFP). Unter den elf Euro-Teilnehmerländern ist strittig, ob Bürger schon vor dem offiziellen Stichtag 1. Januar 2002 Euro-Bargeld in die Hand bekommen sollen. Der Einzelhandel und Verbraucherverbände seien meist für Vorab-"Startpakete" mit Euro-Münzen und kleinen Banknoten, weil sonst der Bargeldbestand in den Geschäften erheblich aufgestockt werden müßte. Das geht aus einem Bericht der EU-Kommission hervor, der am Mittwoch in Brüssel nach deren letzter Sitzung vor der Sommerpause vorgelegt wurde. Auch die Bankenverbände seien nicht gegen Euro-Startpakete, hieß es.Zwei der Euroländer erwägen eine Vorab-Ausgabe an die Bürger, heißt es in dem Bericht, ohne daß Namen genannt werden. Ein Staat davon halte das sogar für unbedingt notwendig, um den Übergang auf das Bargeld zu schaffen. So könnten sich die Bürger auch rechtzeitig mit dem neuen Zahlungsmittel vertraut machen. Der Einzelhandel sei überwiegend für eine Ausgabe ab etwa Weihnachten 2001, Verbraucherverbände plädierten hingegen für den ganzen Monat Dezember. Die meisten Mitgliedsstaaten seien freilich gegen eine Vorausverteilung. Es gebe auch rechtliche und praktische Probleme, berichtete die Kommission. So könnten Fälschungen und Betrügereien das Bild der neuen Währung schädigen.Alle Mitgliedsstaaten erwägen hingegen, Banken schon vor dem Stichtag mit Münzen und Banknoten zu versorgen, um logistische Probleme zu umgehen. Viele der Länder seien auch dafür, den Handel und Geldtransportfirmen dabei einzubeziehen.Der Euro gilt seit Start der Europäischen Währungsunion zu Jahresbeginn als Verrechnungseinheit. 2002 sollen 55 Mrd. Euromünzen in Umlauf kommen. Angaben über die Zahl der Euro-Scheine wurden nicht gemacht.Nach Angaben der EU-Kommission zeichnet sich derweil ab, daß der Zeitraum mit parallelem Umlauf von Euro und nationalen Währungen im Jahr 2002 deutlich kürzer sein werde als die vorgeschriebenen sechs Monate. Die meisten Mitgliedsländer rechneten mit Zeiträumen von einem bis drei Monaten. Die Kommission halte es für möglich, sogar innerhalb von etwa zwei Wochen eine zunächst ausreichende Menge von Bargeld bereitzustellen. Nach dem expliziten Willen der EU-Kommission sollen Geldscheine und Münzen mit dem Euro-Symbol grundsätzlich schneller eingeführt werden als bisher geplant. Bislang war vorgesehen, die Umstellung spätestens bis Ende Juni 2002, also nach sechs Monaten, abzuschließen. Spätestens ab April 2002 sollten die Deutsche Mark und die nationalen Devisen der zehn anderen Euro-Länder endgültig durch die Gemeinschaftswährung abgelöst werden, schlug die Kommission am Mittwoch in Brüssel vor. Das Einsammeln der alten nationalen Münzen und Banknoten werde freilich noch komplizierter sein als die Einführung des Euros. Mehrere Staaten erwägen, zusammen mit Wohltätigkeitsorganisationen Kampagnen zum Sammeln von Kleinmünzen zu starten.Der von dem scheidenden EU-Währungskommisssar Yves-Thibault de Silguy initiierte Bericht zog eine positive Bilanz der Euro- Einführung als Verrechnungseinheit. "Der Euro hat sich auf den Finanzmärkten durchgesetzt", heißt es. Die Kommission bemängelte, viele Unternehmen wollten ihre Rechnungslegung erst 2001 umstellen. Mehr als 35 Prozent der Unternehmen in den teilnehmenden Ländern führen aber bereits den Euro auf ihren Kundenrechnungen auf. Der Kommissions-Bericht soll den EU-Finanzministern auf ihrem informellen Treffen am 11. September im finnischen Turku vorgelegt werden.

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