Streit um Boni bei Volkswagen und der Deutschen Bank : Keine Einbahnstraße

Vorstände, die Schaden anrichten, sollten ihre Boni zurückzahlen. Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Ein Kommentar.

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Bonusempfänger: Ex-Konzernchef Martin Winterkorn (links) und der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch
Bonusempfänger: Ex-Konzernchef Martin Winterkorn (links) und der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter PötschFoto: dpa

Bonus heißt gut. Im Arbeitsleben wird der Bonus für eine gute Leistung gezahlt. Doch was ist, wenn sich das vermeintlich Gute später als schlecht herausstellt? So geschehen bei der Deutschen Bank und bei Volkswagen. Deren Manager haben hohe Prämien bekommen. Anshu Jain etwa, der das Investmentbanking bei Deutschlands größter Bank auf- und ausgebaut hat, ist dafür üppig belohnt worden. Heute steht der Bereich nicht für Profite, sondern für Schaden. Der Großteil der Rechtsstreitigkeiten, in die die Bank verwickelt ist, kommt aus dem Investmentbanking – darunter auch die angedrohte, potenziell existenzbedrohende Strafe von 14 Milliarden Dollar, die das US-Justizministerium für faule Hypothekenkredite verhängen will. Auch bei VW haben die Vorstände gut kassiert, allen voran Ex-Konzernchef Martin Winterkorn. Jahrelang führte er die Liste der Top-Verdiener unter Deutschlands Managern an. Doch die Gewinne, für die er prämiert wurde, hatten – zumindest zuletzt – kein solides Fundament. Der vermeintliche Erfolg hat sich gründlich entzaubert, die Grundlage für die Erfolgszahlungen ist weggefallen.

Bonus für gute, Malus für schlechte Arbeit

Was tun? An die Ehre zu appellieren, ist wirkungslos. Freiwilliger Verzicht, die Rückzahlung von Tantiemen – das gibt es allenfalls in Einzelfällen. Der viel beschworene Kulturwandel geschieht weniger durch Einsicht, sondern durch Druck: schärfere Gesetze, eine bessere Aufsicht. Doch wie soll einer wie Hans Dieter Pötsch, der bei VW vom Finanzvorstand zum Aufsichtsratschef aufgestiegen ist, seine einstigen Vorstandskollegen – und sich selbst – in die Haftung nehmen? Die Politik ist daher gut beraten, die Boniregeln weiter zu verschärfen. Schon heute müssen die Unternehmen die Vergütung ausweisen, das ist gut, aber nicht genug. Boni für Manager, die Firmen in die Krise stürzen und Tausende Jobs kosten? Das lässt sich keinem normalen Arbeitnehmer vermitteln. Zu Recht nicht. Topmanager, die einen Bonus wollen, müssen auch bereit sein, bei schlechter Leistung einen Malus zu zahlen. Dahinter steckt kein Neid, sondern das Streben nach Gerechtigkeit. Belohnt wird nur, wer gut arbeitet – sonst keiner. Das versteht jeder.

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