Wirtschaft : Streit um die Bahncard

Fahrgastverband fürchtet durch das neue Preissystem der Deutschen Bahn höhere Kosten für Nutzer der Rabattkarte

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Berlin (hop). Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die Deutsche Bahn erneut wegen ihres neuen Preissystems massiv angegriffen. Der stellvertretende ProBahn-Vorsitzende Joachim Kemnitz sagte am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin: „Das neue Preissystem ist schön verpackt. Doch für Millionen wird das Bahnfahren teurer.“ Kemnitz forderte außerdem die Bundesregierung auf, sich stärker in die Gestaltung des Preissystems einzumischen. „Die Tarifhoheit liegt nach wie vor beim Bund, der sich als Eigentümer der Deutschen Bahn nicht der politischen Verantwortung entziehen darf.“

Pro Bahn fordert insbesondere, dass die alte Bahncard, mit der sich der Normalfahrpreis halbieren lässt, weiter angeboten wird. Ab kommenden Sonntag, dem 15. Dezember, gilt das neue Preissystem der Bahn, wonach Frühbucher bis zu 40 Prozent Rabatt bekommen können. Ab Sonntag kann auch nur noch die neue Bahncard gekauft werden, die zwar mit 60 Euro weniger als die Hälfte der alten Bahncard kostet, dafür aber auch den Fahrpreis nur um ein Viertel drücken kann. Gerade die rund drei Millionen Bahncard-Kunden müssten nun oft mehr bezahlen als bisher. Die Bahn verprelle hier ihre Stammkunden, warf Kemnitz dem Konzern vor. Sie ziele nur noch auf Geschäftskunden und Urlauber.

Vor kurzem hatten auch schon die Stiftung Warentest und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Preissteigerungen für Bahncard-Kunden bemängelt.

Die Bahn zeigt sich von der Kritik bisher wenig beeindruckt. „Wir werden wie geplant das neue Preissystem ohne Änderungen am 15. Dezember einführen“, hieß es in einer Mitteilung der Bahn. Änderungen sollten gegebenenfalls erst nach einem Jahr vorgenommen werden. Erst dann könne man sehen, ob die Preise zu hoch seien oder von den Kunden angenommen würden. Bisher seien rund eine Million Reisen nach dem neuen Preissystem verkauft worden. Bereits seit dem 1. November können entsprechende Tickets gekauft werden. Trotz der starken Kritik in den vergangenen Wochen habe es keinen Einbruch beim Vorverkauf gegeben. Auch von der neuen Bahncard seien bereits 70000 abgesetzt worden. Letztlich wolle Pro Bahn Höchstrabatte für alle Bahnfahrer, meinte das Unternehmen. Marketingvorstand Hans Koch sagte dazu, „dann hätten wir gleich unsere Preise um insgesamt 40 Prozent senken können“.

Die Kritik von Pro Bahn konzentriert sich auf Verteuerungen. Die Frühbucherrabatte wurden von dem Verband begrüßt, weil dadurch neue Kundengruppen erschlossen würden. „Was die Bahn aber der einen Gruppe erlässt, muss durch höhere Preise für andere ausgeglichen werden“, sagte Kemnitz. Sehr lange Strecken wie von Hamburg nach München würden wesentlich billiger. Hier hat Pro Bahn einen Preisvorteil von 22 Prozent gegenüber heute errechnet. Sehr viel teurer als bisher würden oft dagegen Mittelstrecken. Denn die Bahn ersetzt das bisherige System, bei dem sich der Ticketpreis nach der Entfernung und einem festen Kilometerpreis richtet, durch ein System, bei dem der Preis je Kilometer schrumpft, je weiter man fährt. Die Grenze liegt aber bei 180 Kilometer. Erst ab dieser Entfernung greift die so genannte Preisdegression.

Pro Bahn wirft der Bahn nun vor, sich zu einer „Schrumpf-Bahn“ zu entwickeln, weil sich durch die neuen Preisen die Regionen nicht mehr erschließen ließen. Viele der Mittelstrecken-Kunden würden nun auf das Auto umsteigen – aus Sicht von Pro Bahn eine verkehrspolitische Katastrophe. Hier müsse das Verkehrsministerium handeln, das nach Schweizer Vorbild über eine staatliche Subventionierung der Bahncard nachdenken sollte.

Pro Bahn kritisierte außerdem, dass durch die Neuregelungen bei der Bahncard soziale Härten für junge Menschen entstünden. Denn die günstigeren Bahncards für Schüler und Studenten werden gestrichen. Hat ein Elternteil eine Bahncard, können die Kinder billige Zusatzbahncards für fünf Euro erwerben. Besitzen aber auch die keine Bahncard, wird bereits bei einem 15-Jährigen der volle Preis für die Karte fällig.

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