Streit um die Miete : Politische Hilfe für Karstadt gesucht

Bei den Verhandlungen um niedrigere Mieten für die Karstadt-Warenhäuser ist keine Einigung in Sicht.

David C. Lerch

Düsseldorf - Knapp zwei Wochen, bevor am 16. Juli die letzte Frist für eine Lösung ausläuft, wurden die Gespräche zwischen dem designierten Eigentümer Nicolas Berggruen und dem Vermieter-Konsortium Highstreet ausgesetzt. „Wir haben schon vor zehn Tagen mit Highstreet einen Kompromiss gefunden. Seither aber stockt der Prozess“, sagte Berggruen dem „Handelsblatt“. Highstreet blockiere die Verhandlungen. „Es fällt ihnen offensichtlich schwer, sich zu einigen“, erklärte Berggruen.

Das Konsortium, zu dem die Immobilientöchter von Deutsche Bank und Goldman Sachs sowie die italienischen Unternehmen Borletti, Pirelli und Generali gehören, besitzt 86 der insgesamt 120 Karstadt-Häuser. Mit den Immobilien wurden Fonds aufgelegt, deren Gläubiger ebenfalls zustimmen müssen.

Sollte sich in den kommenden Tagen nichts verändern, wird Berggruen die Politik zu Hilfe rufen. „Wir wollen die deutsche Regierung ansprechen, damit sie als Vermittler einwirkt“, sagte Berggruen. Immerhin stünden 25 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ein erstes Telefonat zwischen Berggruen und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat es nach „Handelsblatt“-Informationen bereits gegeben. Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich zuletzt öffentlich zu den Verhandlungen um die Karstadt-Mieten geäußert.

Wenn es zu einer Einigung kommt, wird Berggruen für Karstadt den symbolischen Betrag von einem Euro bezahlen. Das berichtete die „Bild am Sonntag“ mit Verweis auf das vorliegende Kaufangebot Berggruens. Allerdings kosten ihn die Markenrechte von Karstadt fünf Millionen Euro. Ein Berggruen-Sprecher bestätigte dem Blatt zufolge den Kaufpreis. Wichtiger seien jedoch die Verpflichtungen, die der Käufer eingeht, um das Unternehmen wieder fitzumachen. So kündigte Berggruen an, nach einer Mieteinigung sofort 65 Millionen Euro in das Unternehmen zu stecken. Zudem sollen alle Gewinne, die Karstadt erwirtschaftet, über Jahre hinweg neu investiert werden. „Wir haben noch gar keinen Plan, wann wir zum ersten Mal Geld ausschütten“, sagte Berggruen dem „Handelsblatt“. Dabei ist der erfolgreiche Investor auf niemanden angewiesen: „Das komplette Kapital stammt aus meinem Privatvermögen“, versicherte er.

Berggruen hat mehrfach betont, alle Standorte und Mitarbeiter von Karstadt behalten zu wollen. Anders als das Bündnis der Vermieter, das bei einem Zuschlag vermutlich eine Fusion mit der Metro-Tochter Kaufhof angestrebt hätte. Doch auch Berggruen hält die Idee eines vereinigten Warenhauskonzerns für attraktiv. „Für die Branche wäre es das Beste, wenn es zu einem Zusammenschluss käme“, sagte er. Man müsste einen Weg finden, ohne Karstadt zu verkleinern. Berggruen erklärte sich bereit, mit Metro-Chef Eckhard Cordes über eine Fusion zu sprechen. Der Dax-Konzern sucht ebenfalls einen Käufer für seine Warenhäuser.

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