Wirtschaft : Streit um einen Eid

Einige Professoren fordern ein klares Berufsbild für Manager – viele Kollegen wehren sich dagegen

Stefani Hergert (HB)

Eine kleine Revolution lösten die zwei Harvard-Professoren mit ihrem Artikel aus. Management soll eine Profession werden, ein echtes Berufsbild wie Arzt oder Anwalt. Sie forderten etwas, dass Professoren und MBA-Studenten seit Ende 2008 in zwei Lager teilt: Einen Eid für Manager, ähnlich dem hippokratischen Schwur für Ärzte.

Diese Forderung birgt Brisanz, weil einer der beiden, Nitin Nohria, seit wenigen Monaten neuer Chef der Harvard Business School ist, jener Wirtschaftshochschule, die den MBA erfunden hat. Nohria hat eine Wirtschaftsfakultät übernommen, die seit Ausbruch der Wirtschaftskrise enorm in der Kritik steht.

Wer das Management professionalisieren will, muss die Ausbildung normieren und einen einheitlichen Abschluss etablieren. Eine Pflichtausbildung mit Prüfung also. Nohria und sein Kollege glauben, dass das geht: „Heute ließen sich die strengeren Wissens- und Kompetenzstandards, die für die freien Berufe vorgeschrieben sind, problemlos auf den Managerberuf übertragen.“

Dabei könnte eine solche Weiterentwicklung vor allem den Konzernen entgegenkommen. Konsequent umgesetzt bedeutet die Idee, dass Management nicht wie heute eine reine Funktion ist, in die man in der Regel erst nach einer Karriere im gelernten Beruf gelangt. Wer an der Spitze steht, der muss führen, organisieren – und überzeugen können. Doch genau das will den beiden Professoren selbst nicht so richtig gelingen.

Richard Barker etwa, Professor an der Judge Business School der britischen Cambridge Universität, hat wie viele andere Kritiker nichts gegen eine Professionalisierung, aber ein Beruf wird Management seiner Meinung nach niemals werden. „Ein Berufsstand setzt Kriterien voraus, die den Beruf definieren und vor allem den Zugang regeln“, sagt er. Gründer wie Apple-Chef Steve Jobs sind jedoch das beste Beispiel für einen der wichtigsten Kritikpunkte: Erfolgreiche Manager sind oft keine MBA-Absolventen.

Denn was Manager wirklich brauchen, lernen Sie nicht unbedingt in einer Vorlesung. Barker hat seine Studenten befragt und herausgefunden: Viele kommen am Ende des MBAs zu dem Schluss, dass sie vor allem von den Erfahrungen der Mitstudenten profitierten. „Das Lernumfeld ist viel wichtiger als der Unterricht selbst“, sagt der Cambridge-Professor.

Und der Manager-Eid? Vielleicht mag er hilfreich sein, sagen Kritiker. Nur: „Man muss das Managen nicht zum Beruf erklären, um einen Eid zu begründen“, so Barker. Glaubt er denn, dass der Schwur zukünftige Exzesse verhindert? Seine Antwort ist diplomatisch: Er schade zumindest nicht. Stefani Hergert (HB)

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