Wirtschaft : Streit um Strafe spitzt sich zu

BRÜSSEL (rtr).Im Streit um die Einfuhr von hormonbehandeltem Fleisch hat die Europäische Union (EU) die Sanktionsdrohungen der USA scharf kritisiert.Die Androhung übermäßiger Vergeltung trage nicht dazu bei, eine für beide Seiten annehmbare Lösung zu finden, sagte ein Sprecher der Europäischen Kommission.Strafzölle auf Waren aus der EU im Wert von bis 900 Mill.Dollar (1,6 Mrd.DM) stünden in keinem Verhältnis zu den von der US-Regierung errechneten Einbußen.

Die EU hat vor zehn Jahren die Einfuhr von hormonbehandeltem Fleisch aus den USA verboten.Im Gegensatz zur EU halten die USA dieses Fleisch für den Verzehr unbedenklich und sehen in dem Importverbot eine unzulässige Handelsschranke.Der Kommissionssprecher sagte, nach den Regeln der USA dürften Sanktionen nicht die tatsächlichen Handelsverluste überschreiten.

Die USA haben eine vorläufige Liste europäischer Güter im Wert von über 900 Mill.Dollar aufgestellt, auf die 100prozentige Strafzölle erhoben werden könnten.EU-Vertreter wiesen darauf hin, man müsse mit den USA weiter über eine Beilegung des Handelsstreits reden.Differenzen gibt es zwischen den beiden größten Handelsblöcken der Welt auch über den Bananenhandel.

Der zuständige US-Unterhändler Peter Scher sagte, seine Regierung habe nach entsprechenden Entscheidungen der Welthandelsorganisation WTO das Recht auf Vergeltungsmaßnahmen.Danach müsse die EU ihren Markt für Fleisch aus den USA bis zum 13.Mai öffnen.Die WTO hatte zweimal entschieden, daß das Einfuhrverbot für hormonbehandeltes Fleisch internationale Handelsregeln verletze.Scher sagte, bei vielen Produkte auf der vorläufigen Liste handele es sich um Fleisch.Jedoch könnten Strafzölle auch auf Motorräder, Blumen oder Schokolade aus der EU verhängt werden.Anfang Juni soll die endgültige Liste veröffentlicht werden.Frühestens könnten die Strafzölle ab 12.Juni erhoben werden.Die EU könne das Inkrafttreten nach WTO-Regeln noch einen Monat herauszögern.

Die USA seien bereit, mit der EU über die Etikettierung von hormonbehandeltem Fleisch zu verhandeln, ergänzte Scher.Dann könnten die Verbraucher selbst entscheiden, welches Fleisch sie essen wollten.Ein Kommissionssprecher sagte, Verwendung und Vermarktung dieses Hormons sei in den 15 EU-Staaten untersagt.Das Verbot laufe in diesem Jahr aus.EU-Vertreter sagten, die Kommission werde das Hormonverbot wahrscheinlich verlängern.Die Regierung in Washington hat das Hormon für Milchkühe vor rund sechs Jahren freigegeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben