Wirtschaft : Streit um Überstunden bei Daimler-Chrysler

Alfons Frese

Berlin - Trotz des Arbeitsstaus in der Finanzbuchhaltung will Daimler-Chrysler in den kommenden Wochen wichtige Termine einhalten. So soll die Bilanz des Geschäftsjahres 2006 am 14. Februar in Detroit vorgelegt und die Aktionäre am 4. April zur Hauptversammlung nach Berlin eingeladen werden. „Wir gehen davon aus, dass wir den Zeitplan halten“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Fröhlich am Montag. Zweifel daran waren entstanden, weil der Betriebsrat Überstunden für die Buchhaltung nicht genehmigt und deshalb die für den Jahresabschluss erforderlichen Zusatzarbeiten nicht in der vorgesehenen Zeit erledigt werden können. Das Unternehmen hatte daraufhin ein sogenanntes Einigungstellenverfahren angestrebt. Der Betriebsrat lehnte das bislang ab, so dass am heutigen Dienstag das Arbeitsgericht Stuttgart darüber entscheiden muss, ob eine Einigungsstelle einberufen wird; das wird allgemein erwartet. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz wird eine Einigungsstelle eingerichtet, um Meinungsunterschiede zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat beizulegen. Die Einigungsstelle besteht aus Vertretern beider Seiten sowie einem unparteiischen Vorsitzenden.

Der aktuelle Konflikt bei Daimler-Chrysler hängt zusammen mit der Vorgabe von Vorstandschef Dieter Zetsche, weltweit 6000 Stellen in der Verwaltung abzubauen. Schätzungen zufolge entfallen davon rund 1500 auf den Bereich Finanzbuchhaltung. Obwohl dort also ein Personalüberhang identifiziert ist und entsprechende Streichungen bevorstehen, hat das Unternehmen – wie in jedem Januar – Überstunden beantragt, damit die Mitarbeiter die zusätzlichen Arbeiten für die Erstellung des Jahresabschlusses auch außerhalb der Regelarbeitszeit erledigen. Bei einer ersten Runde vor dem Arbeitsgericht am 4. Januar hatte man sich auf einen vorläufigen Vergleich geeinigt, wonach für Sonnabend, den 6. Januar und Sonntag, den 7. Januar insgesamt 51 Personen die Mehrarbeit vom Betriebsrat bewilligt wurde. Seitdem stellt sich die Arbeitnehmervertretung allerdings stur und verweist auf formale Mängel des Arbeitgebers bei den Überstundenanträgen.

Das ist jedoch vorgeschoben. Obwohl ein deutlicher Stellenabbau droht, erwägt das Unternehmen an einem kostengünstigen Auslandsstandort – Prag ist im Gespräch – einen Teil der Buchhaltung machen zu lassen. Das verärgert die Betriebsräte. „Solange das nicht vom Tisch genommen wird, sind wir nicht bereit, kulant vorzugehen“, sagte Betriebsratssprecherin Silke Ernst am Montag zum Umgang mit den Überstunden und verwies auf die „schlechte Stimmung“ in den betroffenen Bereichen.

Nach den bisherigen Plänen will Zetsche die Bilanz am 14. Februar erstmals in Detroit, am Standort der Chrysler Group, vorlegen. Die Hauptversammlung am 4. April ist im Berliner ICC geplant. Hier treffen sich seit dem Jahr 2000 die Aktionäre des Konzerns, 2005 waren es rund 8000.

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