Wirtschaft : Streit um Verkauf von Naturschutz-Wald

Privatisierungsbehörde und Umweltschützer im Konflikt um ostdeutsche Forstverkäufe

BERLIN (dpa).Der Streit um den Verkauf von Waldflächen in ostdeutschen Nationalparks und Schutzgebieten geht weiter.Naturschützer und die für die Privatisierung der ehemals volkseigenen Agrar- und Forstflächen zuständige Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) sind sich auch nach Spitzengesprächen nicht wesentlich näher gekommen.Die BVVG wies am Freitag erneut die Vorwürfe des Naturschutzbundes (Nabu) zurück, sie handele beim Waldverkauf gegen die gesetzlichen Bestimmungen.Sie habe auch den neuen Ländern angeboten, besonders schützenswerte Flächen gegen bewirtschaftungsfähige Areale aus Landeseigentum zu tauschen.Die Naturschützer erklärten, die BVVG wolle weiterhin Flächen in Schutzgebieten nicht ganz von einem Verkauf ausnehmen.Jetzt müsse der Bundesfinanzminister ein Machtwort sprechen. Nach Angaben der BVVG sind die Flächenverkäufe eindeutig geregelt.Nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG) und der Flächenerwerbsverordnung könnten auch Flächen, die trotz Schutzstatus zu bewirtschaften seien, an berechtigte Pächter, Alteigentümer oder ansässige Forstneueinrichter zu begünstigten Preisen verkauft werden.Der EALG-Kaufpreis liege knapp unter dem halben Verkehrswert in der Region.Wollten Nichtberechtigte wie Naturschutzeinrichtungen solche Flächen kaufen, müsse der Verkehrswert bezahlt werden.Dies aber nur, wenn keine Ansprüche von EALG-Berechtigten vorlägen.Je nach Auflagen sei nicht ausgeschlossen, daß sich der Verkehrswert dem EALG-Preis nähere oder sogar unterschreite.Für Verkauf zu Naturschutzzwecken stünden demnach vorrangig Totalreservate und Flächen in Projekten von gesamtstaatlicher Bedeutung zur Verfügung.Laut BVVG sind auch Naturschutzträger neue Eigentümer der Wälder.Von Juli 1992 bis Ende Oktober 1997 seien 80 700 Hektar Wald und 32 000 Hektar Wiesen und Felder privatisiert worden.Für Naturschutzprojekte von gesamtstaatlicher Bedeutung seien bisher fast 1000 Hektar veräußert worden.In Vorbereitung seien mehr als 2700 Hektar Fläche mit Schutzstatus, die an Naurschutzträger verkauft werden sollen.Anfang 1997 seien Naturschutzprojekt-Träger von gesamtstaatlicher Bedeutung aufgefordert worden, Kaufwünsche anzumelden.Bis Ende Oktober hätten sich acht gemeldet.Von den 28 400 beantragten Hektar befänden sich nur 18 900 in BVVG-Verfügung.Der NABU befürchtet, daß der Schutzstatus bei der Privatisierung aufgeweicht wird. Auch der Erwerb wirtschaftlich nutzloser Grundstücke lohne sich, da Privateigentümer Anspruch auf finanzielle Entschädigung bei Naturschutzrestriktionen hätten.Hinzu komme, daß zumeist Forstflächen von Alteigentümern zu einem Spottpreis erworben würden.So müßten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin berechtigte Privatinteressenten Hektarpreise von nur 400 DM, ein Naturschutzverein dagegen das Zehnfache zahlen.

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