Streitschlichtung : Familienaufstellung

Wer Strategien des Konfliktmanagements beherrscht, kommt damit nicht nur im Job weiter. Auch bei Ärger mit der Familie an Weihnachten können sie helfen. Ein Ratgeber.

Sina Krambeck
Fürs Fotoalbum. So besinnlich ist es gedacht. Tatsächlich läuft Weihnachten aber oft ganz anders ab. Das Foto zeigt die norwegische Königsfamilie mit König Harald, Prinz Sverre Magnus, Kronprinzessin Mette-Marit, Königin Sonja, Prinzessin Ingrid Alexandra, Prinz Marius Borg Hoiby (v.l.) und Kronprinz Haakon beim Fototermin in Oslo.Foto: Reuters
Fürs Fotoalbum. So besinnlich ist es gedacht. Tatsächlich läuft Weihnachten aber oft ganz anders ab. Das Foto zeigt die...Foto: REUTERS

In manchen Familien hat der Streit zu Weihnachten fast schon Tradition. Obwohl sich alle Mitglieder jedes Jahr wieder vornehmen, dieses Mal wirklich harmonisch das „Fest der Liebe“ miteinander zu feiern, kommt spätestens nach dem Verzehr des Gänsebratens Missstimmung auf. Oft reicht eine unbedachte Bemerkung, eine leichte Provokation, um die Stimmung anzuheizen. Schnell gibt ein Wort das andere, unbeteiligte Familienmitglieder geraten zwischen die Fronten der Streithähne und im schlimmsten Fall eskaliert der Konflikt so, dass der Tag mit Tränen und Vorwürfen endet.

So müssen Streitigkeiten aber nicht ausgehen. Auch wenn sich die Probleme oft nicht wirklich wegdiskutieren lassen, so gibt es doch Wege, sie so zu lösen, dass alle Beteiligten damit leben können. Wie es funktioniert, das zeigen Experten des Konfliktmanagements, die gewöhnlich in der Arbeitswelt unterwegs sind. Doch ob das Verhandlungsgespräch mit dem Chef, der Streit mit Kollegen oder der Ärger mit der lieben Verwandtschaft: Die Verhaltensmuster solcher Konfrontationen sind sich so ähnlich wie die Strategien, die zur Lösung oder wenigstens Schlichtung beitragen. Was im Beruf hilft, kann also vielleicht auch manches Weihnachtsfest etwas befrieden.

„Dass es gerade an Weihnachten so oft zum Streit kommt, liegt hauptsächlich daran, dass jeder das Fest besonders harmonisch gestalten möchte“, sagt Carsten Marx, der in Berlin Kommunikationstrainer für Konfliktmanagement ist. Die Erwartungen an die Feiertage seien deshalb enorm hoch, schon kleinste Unstimmigkeiten würden registriert und womöglich überbewertet. Über die einzelnen Erwartungen werde aber im Vorfeld meist nicht gesprochen. So kann es leicht zu Spannungen kommen, etwa wenn ein Teil der Familie vor der Bescherung die Kirche besuchen will, der andere aber erst danach.

Auch die verteilten Geschenke führen oft zu Enttäuschungen, weiß Anusheh Rafi vom Bundesverband Mediation: „Geschenke, die zeigen, dass sich der andere keine Gedanken gemacht hat, signalisieren: Der andere kennt mich gar nicht, ich bin ihm nicht so viel wert.“

Solchen Fällen liegen meist tiefere Konflikte zugrunde, die dann an einer scheinbaren Kleinigkeit wie einem belanglosen Geschenk zum Vorschein kommen. Wenn etwa die Tochter schon lange das Gefühl hat, der Vater akzeptiere sie nicht so wie sie ist, wird sie in sein Geschenk möglicherweise weit mehr als vom Vater intendiert hineininterpretieren.

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