Wirtschaft : Stress mit dem Stresstest

Die Versicherungsaufsicht hat die Belastbarkeit der Lebensversicherer geprüft. Verbraucherschützer wollen jetzt Ergebnisse sehen

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Berlin (hej). Der Bund der Versicherten (BdV) hat die Versicherungsaufsicht aufgefordert, den Versicherten reinen Wein über die finanzielle Lage ihres Lebensversicherers einzuschenken. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) solle den Versicherungskunden mitteilen, wie sie die Ergebnisse des jüngsten so genannten Stresstests der Branche und die Strategien der Unternehmen bewerte, sagte BdVGeschäftsführer Frank Braun dem Tagesspiegel. „Die Aufsicht muss den Verbrauchern ihre Bewertung zur Verfügung stellen.“ Das schaffe auch für die Versicherungsgesellschaften einen Anreiz zu handeln.

Die BaFin teilte aber lediglich mit, dass „einige Versicherer“ den Stresstest nicht bestanden haben. Mit dem Stresstest wird untersucht, ob die Gesellschaften auch bei einem extremen Börsencrash noch genug Kapital haben, um alle Kundenansprüche jederzeit abdecken zu können. Die Versicherungsaufsicht gibt dabei zwei Szenarien vor: Das Szenario A unterstellt einen Kursrückgang der Aktien um 35 Prozent und einen gleichzeitigen Wertverlust der Rentenpapiere um zehn Prozent. Das mildere Szenario B geht von einem 20-prozentigen Rückgang der Aktien und einem fünfprozentigen Abschlag bei den festverzinslichen Wertpapieren aus.

„Der Stresstest ist eine reine Vorsichtsmaßnahme und unterstellt eine extreme, eher unwahrscheinliche Entwicklung der Finanzmärkte“, sagte BaFin-Sprecher Michael Trommeshauser. „Die Ergebnisse des Stresstests ziehen keine aufsichtsrechtlichen Maßnahmen nach sich.“ Stattdessen sollen die Versicherungsunternehmen Vorschläge machen, was sie tun wollen. In Frage kommen unter anderem Umschichtungen bei der Kapitalanlage und eine weitere Senkung der Überschussbeteiligung.

Zu den Versicherungsgesellschaften, die den Stresstest nicht bestanden haben, gehören die Victoria, die Axa Leben und die Deutsche Ärzteversicherung. „Das ist aber kein Anzeichen dafür, dass wir unsere Leistungsversprechen nicht erfüllen können“, betont Axa-Sprecher Ulrich Bockrath. „Viele Gesellschaften haben den Stresstest nicht bestanden, weil sich die Versicherer als große Anleger nicht vom negativen Börsentrend abkoppeln können“, beteuert Thomas Noack, Sprecher der Victoria-Mutter Ergo. Grund zur Besorgnis hätten die Versicherungskunden nicht. „Die meisten Lebensversicherungen laufen zwischen 20 und 25 Jahre.“

Den Stresstest solle man nicht überbewerten, meint auch Verbraucherschützer Braun. „Aber Unternehmen, die schlecht abschneiden, haben schon ein negatives Vorzeichen“, kritisiert der BdV-Geschäftsführer. „Das sind nicht die besten Anbieter.“

Die Resultate des Stresstests müssten von der Versicherungsaufsicht individuell bewertet werden. Denn Absicherungen oder Hedges, die ein Versicherer gegen einen weiteren Verfall der Aktienmärkte gekauft hat, werden bei der routinemäßigen Untersuchung im Rahmen des Stresstests nicht berücksichtigt. „Hier gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den Versicherungsgesellschaften“, sagt Braun. Wenn das Amt den Versicherungskunden aber das Fazit der Gesamtuntersuchung mitteilen würde, wäre das „schon aussagekräftig“.

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