Wirtschaft : Strom-Billiganbieter kapitulieren

Unzureichende Marktöffnung macht Yello zu schaffen

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Berlin (juf/HB). Die Zahl der Billiganbieter auf dem deutschen Strommarkt schrumpft. Die Neulinge beklagen die hohen Gebühren für die Benutzung der Stromnetze, die ihnen von den etablierten Versorgern berechnet werden. Dadurch bleibe kaum noch Luft für Gewinne. Branchenführer Yello bekundet gleichwohl Durchhaltewillen: „Wir werden uns durchsetzen und glauben an das Geschäftsmodell Direktvertrieb“, sagte der Kundenvorstand der YelloMutter Energie-Baden-Württemberg AG (EnBW), Pierre Lederer, im Gespräch mit dem Handelsblatt entschlossen – „auch wenn es nicht leicht wird“. Die unzureichende Marktöffnung mache aber auch Yello das Leben schwer. Auf Dauer könne das nicht so bleiben.

Am vergangenen Freitag hatte die Riva Energie AG einen Insolvenzantrag gestellt. Das Essener Unternehmen wird wohl für immer vom Netz gehen. „Wir sind nicht mehr sanierungsfähig“, sagte Finanzchef Michael Klein dem Handelsblatt. Nur einen Monat zuvor hatte die Berliner Ares Energie-Direkt GmbH den Gang zum Insolvenzverwalter angetreten. Ares war mit 220000 Kunden die Nummer zwei der Newcomer. Riva zählte 50000 Kunden und lag auf Rang vier.

Riva und Ares sind nicht die ersten von neun Direktanbietern, die sich wieder zurückgezogen haben. Die Branche blickt nun gespannt auf Marktführer Yello. „Ares und Riva sind nicht mit Yello zu vergleichen“, sagte Lederer. Die beiden Unternehmen seien weit von der für das Überleben kritischen Größe von einer Million Kunden entfernt gewesen. „Wir sind nah dran“, sagte Lederer, „die Entwicklung ist erfreulich“. Eine konkrete Zahl nannte er nicht.

Die EnBW-Tochter hatte mit ihrer aggressiven Werbung („Strom ist gelb“) schnell einen soliden Kundenstamm aufgebaut, die letzte publizierte Kundenzahl ist mit rund 700000 aber bereits rund ein Jahr alt. In Branchenkreisen wird bezweifelt, ob sich Yello durchsetzen kann. „Die Kurve flacht deutlich ab“, sagt ein Kenner des Unternehmens. Entscheidend werde sein, wann Yello die Gewinnzone erreichen kann und welche Geduld der neue EnBW-Chef Utz Claassen mitbringe, hieß es in den Branchenkreisen. Die Anlaufverluste werden auf mehr als 500 Millionen Euro geschätzt und der Break-Even nicht vor dem Jahr 2005 gesehen.

Einen potenten Partner wie Yello mit EnBW hatten Ares und Riva nicht im Rücken. Sie machen vielmehr die Marktmacht der etablierten Anbieter für ihr Scheitern verantwortlich: „Die Newcomer müssen den Kunden einen Vorteil gegenüber den alten Versorgern bieten“, sagt Riva-Finanzchef Klein, „das ist in Deutschland nicht möglich".

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