Wirtschaft : Strom Marke Eigenbau

Die neuen Mini-Blockheizkraftwerke taugen auch für Einfamilienhäuser

Philipp Laage[dpa]
Ein Blockheizkraftwerk zum Strom selber erzeugen Foto: dpa-tmn
Mini-Kraftprotz. Ein Blockheizkraftwerk passt auch in kleine Keller. So kann man nicht nur Strom selbst erzeugen, sondern auch...Foto: dpa-tmn

Nach der Katastrophe in Japan war sich Deutschland sicher: Wir müssen die Atomkraftwerke abschalten. Das gefährde die Stromversorgung, mahnten die Energiekonzerne. Hausbesitzer können sich aber auch einfach selbst versorgen – mit einem Automotor, der nicht auf der Straße, sondern im Heizungskeller brummt. Dass das Aggregat Wärme und Strom produziert, hört sich zwar verwunderlicher an. Doch in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) passiert genau das. Ein Kfz-Motor erzeugt Strom, der gleich im Haushalt genutzt werden kann. Die Abwärme liefert außerdem Warmwasser und eine wohlige Raumtemperatur. Solche Systeme taugen nun auch für Einfamilienhäuser. Verbraucher kommen mit weniger Energie aus, sind unabhängiger von den Versorgern und tun außerdem etwas für die Umwelt.

Vaillant aus Remscheid nutzt für ein BHKW einen Verbrennungsmotor, der mit Erdgas angetrieben wird. „Wir haben da schon vor Jahren Kontakt mit Honda aufgenommen. Die Idee war: Nutzen wir doch einfach auch die Wärme, die bei der Verbrennung entsteht“, erzählt Produkt- und Marketingleiter Andreas Christmann. Ein solches Minikraftwerk hat Honda schon tausendfach in den USA und in Japan im Einsatz, ab Sommer gibt es sie auch hierzulande. Hersteller wie Viessmann, August Brötje, Remeha, Otag und Dachs machen sich das Funktionsprinzip der Kraft-Wärme-Kopplung ebenfalls zunutze.

Derartige Systeme gibt es schon länger für den höheren Energiebedarf von Mehrfamilienhäusern oder Gewerbebetrieben, etwa aus der Kooperation zwischen VW und dem Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick. Was auf dem Markt bisher fehlte, waren Angebote für Einfamilienhäuser. Hausbesitzer könnten den produzierten Strom teils selbst verbrauchen und den übrigen ins Netz einspeisen, erklärt Andreas Müller, stellvertretender Geschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Sankt Augustin. Der Vorteil: Sie sparen damit Geld.

Ein BHKW mit 1 Kilowatt (kW) elektrischer Leistung produziert im Jahr 5500 Kilowattstunden (kWh) Strom, rechnet Müller vor. Hausbesitzer müssten diese Menge bei einem Preis von 20 Cent/kWh für etwa 1100 Euro beim Stromversorger einkaufen. Wenn sie ein BHKW haben, können sie die Hälfte der Strommenge selbst verbrauchen und den Rest an der Strombörse verkaufen. Der gesamte Strom wird außerdem mit 5,11 Cent/kWh Zuschlag über zehn Jahre gefördert – dank Kraft-Wärme- Kopplungsgesetz. Außerdem spare man die Stromsteuer von 2,05 Cent/kWh, weil der Strom nicht eingekauft werden müsse.

„Am Ende macht das gut und gerne 500 bis 600 Euro pro Jahr an Ersparnis aus“, sagt Müller. „Im Verhältnis zu einem alten Heizkessel sparen Sie mit einem Gasheizgerät mit Motor rund 30 Prozent Energiekosten.“ Gleichzeitig sei der Gasverbrauch bei der Kraft-Wärme- Kopplung aber auch ein klein wenig höher als beim Gas- Brennwertheizkessel. Ein Mini-BHKW ist mit einem Anschaffungspreis von 16 000 bis 20 000 Euro außerdem deutlich teurer als ein Heizkessel, der bei 8000 bis 10 000 Euro liegt. Auch die Wartungskosten sind höher. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät Hausbesitzern, beide Modelle gründlich durchzurechnen. Sie bietet dazu einen Heizsystemvergleich auf ihrer Internetseite an (siehe unten).

Damit sich ein BHKW lohnt, müsse es etwa 4000 bis 5000 Stunden im Jahr laufen, erläutern die Verbraucherschützer. Am günstigsten sei es, einen großen Anteil des erzeugten Stroms im Gebäude selbst zu nutzen, anstatt den Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Um auch zu Hochzeiten die Spitzenlast decken zu können, brauchen Haushalte zusätzlich einen Heizkessel, der bei kleineren BHKW oft schon im Gerät integriert ist. Aber auch der alte Kessel kann im Zweifel weiterverwendet werden.

„Viele Kunden wollen ein Blockheizkraftwerk nicht nur wegen der langfristigen Einsparungen beim Strom, sondern auch aus ökologischen Gründen“, hat Müller beobachtet. Der CO2-Ausstoß werde schließlich verringert, wenn der Strom nicht im Kraftwerk, sondern im Keller produziert werde. Noch scheint das Umweltargument aber nicht wirklich zu ziehen: Im Jahr 2010 haben die dem ZVSHK angeschlossenen Fachbetriebe etwa 500 000 klassische Wärmeerzeuger eingebaut, aber nur rund 4000 Kraft-Wärme-Kopplungsgeräte – davon nur einige hundert Mikro-BHKW.

„Die klassischen Öl- oder Gasheizungssysteme werden dadurch sicher nicht abgelöst. Für die Zukunft sind Verbraucher aber auf jeden Fall gut beraten, ihren Strom selbst zu produzieren“, prognostiziert Müller. „Es steckt bei vielen der Gedanke dahinter: Ich will unabhängiger sein. Ich will mich selbst mit Strom versorgen. Wer weiß, was die Zukunft bringt?“ Wie bei der Solartechnik sei das erst einmal nur etwas für eine bestimmte Zielgruppe. Die darf aber auch nicht vergessen: Der Automotor selbst wird von fossilen Brennstoffen angetrieben. Philipp Laage, dpa

Den Heizsystemvergleich der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen findet man unter http://dpaq.de/oe2Xb. Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz steht zum Beispiel hier: http://dpaq.de/1LRQm

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