Wirtschaft : Strom wird noch teurer

Verband erwartet 2008 weitere Preiserhöhungen

Berlin - Nach dem Anstieg der Strompreise in diesem Sommer gelten weitere Erhöhungen 2008 in der Branche als sicher. Hintergrund ist die nächste Handelsrunde für Verschmutzungsrechte. So solle der dann für die Energie-Unternehmen kostenpflichtige Zehn-Prozent-Anteil an CO2-Zertifikaten über die Börsenpreise an die Kunden weitergegeben werden, bekräftigte der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) am Montag in Berlin. In einer vom Verband veranlassten Umfrage bestätigte sich zudem der immer häufigere Wechsel der Kunden zu billigeren Strom-Tarifen und -Anbietern. Jeder fünfte Haushalt mit neuem Lieferanten beziehe bereits Ökostrom, berichtete VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Dieser Trend und die Sensibilisierung der Käufer für den Preis dürften noch zunehmen.

Mit der neuen Zuteilung von Kohlendioxid-Zertifikaten im Emissionshandel werden vom 1. Januar 2008 an jährlich 40 Millionen Tonnen oder zehn Prozent des höchstzulässigen CO2-Ausstoßes nicht mehr gratis verteilt, sondern verkauft. Die restlichen 90 Prozent werden nach einem bestimmten Verfahren weiterhin gratis an die Energieunternehmen und die energieintensive sonstige Wirtschaft verteilt. Beim Verkauf der 40 Millionen Tonnen jährlich orientieren sich die Preise zunächst an den Notierungen der EEX- Strombörse in Leipzig, wie Meller bestätigte. Von 2009 oder 2010 an soll dieser Teil nach dem Willen des Bundesumweltministeriums versteigert werden. Dieser Versteigerungsanteil soll später weiter ausgebaut, der Gratisteil entsprechend verringert werden. Der Emissionshandel begrenzt den CO2-Ausstoß und ermöglicht umweltfreundlichen Produzenten den Verkauf überschüssiger Zertifikate an die, die noch nicht ausreichend in die Modernisierung ihrer Anlagen investiert haben und Zertifikate zukaufen müssen.

Verbraucherverbände und Mieterbund hatten kürzlich an die Verbraucher appelliert, den Strompreiserhöhungen durch einen Wechsel der Anbieter entgegenzutreten. Dazu legte der VDEW jetzt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Promit bei 1200 Haushaltskunden vor. Danach haben inzwischen 47 Prozent der Haushalte in Deutschland einen neuen Tarif beim bisherigen Lieferanten oder einen neuen Anbieter gewählt. Dabei entschieden sich seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 rund 37 Prozent der Haushalte für ein neues Produkt beim angestammten Stromunternehmen. Rund zehn Prozent wechselten den Anbieter.

„Es ist leichter, den Stromlieferanten zu wechseln als die Bank“, sagte Meller. Der Wechsel des Versorgers habe seit Herbst 2006 besonders stark zugenommen. Knapp 87 Prozent der Befragten sagten, der alte Versorger sei teurer als der neue. Ökologische Gründe wurden von 13,2 Prozent genannt. „Wir sehen, dass fast alle Stromunternehmen Öko- Stromprodukte anbieten“, sagte der VDEW-Manager. „Das Angebot wird mit der weiteren Klimadiskussion weiter steigen.“ dpa

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