Stromanbieter : Berliner Teldafax-Kunden bangen um ihr Geld

Der Strom-Discounter Teldafax stellt seinen Service in Berlin komplett ein. 30.000 Berliner Kunden müssen sich jetzt einen neuen Stromanbieter suchen. Viele bangen um ihre Vorauszahlungen.

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Weg vom Netz. Teldafax darf keinen Strom mehr nach Berlin liefern. Die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens ist ungewiss. Foto: picture-alliance/ dpa
Weg vom Netz. Teldafax darf keinen Strom mehr nach Berlin liefern. Die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens ist ungewiss.Foto: picture-alliance/ dpa

Erst flog Teldafax aus dem Berliner Gasnetz, dann drehte auch noch Vattenfall dem Discounter den Saft ab. Seit Mitte des Monats bekommen die 30 000 Berliner Kunden des Billigenergielieferanten ihren Strom von Vattenfall. Was Teldafax als geplanten Rückzug aus einem finanziell desaströsen Markt darstellt, erklärt Vattenfall mit den Zahlungsproblemen des angeschlagenen Unternehmens, das „seinen Zahlungsverpflichtungen für die Durchleitung des Stroms“ gegenüber Vattenfall nicht mehr nachgekommen sei.

Für die Kunden gehen die Probleme jetzt erst richtig los. Sie müssen sich bis zum 17. August einen neuen Stromlieferanten suchen. Tun sie das nicht, bleiben sie im – teuren – Grundversorgungstarif Vattenfalls („Berlin Basis Privatstrom“). Doch das ist nicht ihre einzige Sorge. Viele von ihnen haben ihren Strom im Voraus gezahlt und haben nun Angst, ihr Geld nicht wiederzusehen.

UNTERNEHMEN IN NOT

Denn niemand weiß, wie es um Teldafax wirklich bestellt ist. Das Unternehmen weist Insolvenzgerüchte weit von sich. Schließlich habe der Eigentümer, die Prime Mark Financial Group aus Zypern, 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, heißt es. Auch den am vergangenen Mittwoch verkündeten Führungswechsel stellt Teldafax als Erfolg hin. Der bisherige Vorstandschef Hans-Gerd Höptner habe sein Sanierungsgutachten früher fertiggestellt als erwartet. „Wie sind in Schwierigkeiten, aber die Eigentümer wollen das Unternehmen sanieren“, sagte Sprecherin Susanne Fiederer dem Tagesspiegel.

Doch das fällt nicht leicht. Von den einst 780 000 Strom- und Gaskunden hat Teldafax in den vergangenen Monaten 150 000 verloren. Bei den großen Internet-Vergleichsportalen Verivox und Check 24 taucht Teldafax nicht mehr auf. Und auch von den einst 1600 Lieferrahmenverträgen, die der Discounter mit Strom- und Gasnetzbetreibern geschlossen hatte, sind inzwischen zahlreiche gekündigt worden – nicht nur in Berlin. Wie viele Verträge mit Netzbetreibern Teldafax jetzt noch hat, sagt das Unternehmen nicht. „Das ändert sich täglich“, betont Fiederer.

Das Nachsehen haben die Kunden, die sich einst für den billigen Jakob auf dem Energiemarkt entschieden hatten. Sie laufen Gefahr, für die niedrigen Preise jetzt teuer zu bezahlen. „Man hat Verträge an Kunden verkauft zu Werten, die unterhalb der Einkaufspreise lagen“, räumt Ex-Chef Höptner heute freimütig ein. Besonders günstig waren die Tarife, bei denen die Kunden nicht nur mengenmäßig fest geschnürte Strompakete gekauft hatten, sondern das Geld auch gleich im Voraus gezahlt haben.

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VORKASSE VERLOREN?

Diesen Betrag – oft mehrere Hundert Euro – zurückzuholen, könnte schwer werden. Fein raus sind nur diejenigen, die ihre Stromrechnung erst in den vergangenen sechs Wochen an Teldafax überwiesen haben. Kunden, denen die Vorausentgelte vor weniger als sechs Wochen abgebucht wurden, sollten sofort von ihrem Geldinstitut die Rückbuchung fordern, sagt die Verbraucherzentrale Berlin. Alle anderen stehen schlechter da. Peter Lischke, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale (VZ) Berlin, rät ihnen zum juristischen Mehrsprung: „Lesen Sie den Zählerstand ab und teilen Sie Teldafax den Wert mit“, empfiehlt der Jurist. „Rechnen Sie aus, wie viel Geld Sie zurückbekommen, und fordern Sie Teldafax auf, den Betrag innerhalb von zwei Wochen an Sie zu überweisen. Drohen Sie rechtliche Schritte an für den Fall, dass Teldafax nicht zahlt.“

Obwohl das Unternehmen offiziell seit dem 17. Mai keinen Strom mehr nach Berlin liefern darf, sollten Kunden zudem den Vertrag vorsichtshalber auch noch außerordentlich kündigen. Den Schriftverkehr sollte man zu Beweiszwecken per Einwurfeinschreiben erledigen, sagt Lischke. Reagiert Teldafax nicht, sollten die Kunden vor Gericht einen Mahnbescheid über die ausstehende Summe beantragen. Je schneller, desto besser. Musterbriefe hat die VZ im Internet veröffentlicht (www.vz-berlin.de).

SPÄTE ABRECHNUNG

Doch Teldafax dämpft die Hoffnungen auf eine schnelle Schlussrechnung und eine zügige Rückzahlung der Gelder. „Das kann bis zu drei Monate dauern“, kündigt Teldafax-Sprecherin Fiederer an. Man müsse zunächst auf die Abrechnung durch die Netzbetreiber warten, und die hätten dafür per Gesetz 28 Tage Zeit. Auf Zählerstandsmitteilungen der Kunden reagiert Teldafax nicht. „Auch dann warten wir noch auf die Daten der Netzgesellschaft.“ Die Bundesnetzagentur bestätigt die 28-Tage-Frist, die bei einer Kündigung für den Datenaustausch zwischen Netzbetreiber und Energielieferant gilt. Doch ob das auch im Verhältnis zum Kunden gilt, ist unklar.

Verbraucherschützer Lischke hält das Verhalten von Teldafax für Zeitschinderei. „Der Kunde hat Vorkasse an Teldafax gezahlt und erhält für sein Geld jetzt keine Leistung mehr“, gibt der Jurist zu bedenken. „Wo Teldafax das Geld für die Rückzahlung hernimmt, ist nicht das Problem des Kunden.“ Hinzu kommt, dass Teldafax selbst in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen den Kunden das Recht einräumt, ihre Zähler abzulesen.

Für die Betroffenen ist das eine wichtige Frage. Denn die Netzbetreiber sind angesichts der Dimensionen nicht in der Lage, die Monatsfrist einzuhalten. Etwa beim Gas. Obwohl der Inhaber des Berliner Gasnetzes, die NBB, Teldafax bereits zum 31. März gekündigt hat, sind noch immer nicht alle Zählerstände der 8400 Teldafax-Gaskunden ermittelt. „Das wird wahrscheinlich Anfang Juni“, kündigt NBB-Sprecher André Studzinski an.

NEUER ANBIETER

Den Rückzug von Teldafax vom Berliner Markt will Vattenfall nutzen, um neue Kunden zu gewinnen. Am vergangenen Donnerstag wurden alle Betroffenen angeschrieben und darüber informiert, dass sie ihren Strom jetzt zum Grundversorgungstarif von Vattenfall bekommen. In dieser Woche folgt ein zweiter Brief, in dem die Teldafax-Kunden über preislich attraktivere Vattenfall-Tarife und mögliche Bonuszahlungen informiert werden. Doch auch ohne diese zusätzliche Werbung scheinen viele Teldafax-Kunden von Experimenten die Nase voll zu haben und kehren zu etablierten Anbietern zurück. „Es haben sich schon mehrere tausend Kunden für einen Vattenfall-Tarif entschieden“, berichtet Vattenfall-Sprecherin Barbara Meifert.

GÜNSTIGE TARIFE

Unsere Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über günstige Stromtarife in Berlin. Sie enthält bewusst keine Angebote mit Vorauskasse und keine Strompakete. „Bei der Auswahl ihres Anbieters sollten Verbraucher auf eine kurze Vertragslaufzeit und eine ebenso lange Preisgarantie achten“, sagt Isabel Wendorff, Energieexpertin des Internet-Vergleichsportals Check 24. „Vorsicht ist bei Tarifen mit 24 Monaten Laufzeit geboten, da diese im zweiten Jahr durch den Wegfall des hohen Neukundenbonus meist deutlich teurer werden.“ Daher ist unsere Tabelle auf Jahresverträge beschränkt.

Kann man jetzt noch guten Gewissens zu einem Billiglieferanten gehen? „Uns liegen keine Informationen vor, dass andere Lieferanten bei den Netzbetreibern mit ihren Zahlungen im Verzug sind“, beruhigt Renate Hichert von der Bundesnetzagentur. Auch Daniel Friedheim von Check 24 hält das Risiko, dass nach Teldafax ein weiterer Discounter ins Trudeln kommt, für gering. Wer dem Braten nicht ganz traut, könne sich aber leicht schützen: „Verzichten Sie auf Tarife mit Vorkasse!“, rät Friedheim. Tausende Teldafax-Kunden können das nur bestätigen.

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