Stromautobahn durch Deutschland : Von der Küste bis nach Bayern

Der Plan steht: Eine „Stromautobahn ohne Abfahrt“ soll Windkraft durch fünf Bundesländer transportieren. Doch es es kommt Gegenwind aus Bayern.

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Wie kommt der Windstrom von Nord nach Süd? Für die Energiewende ist das eine der entscheidenden Fragen.
Wie kommt der Windstrom von Nord nach Süd? Für die Energiewende ist das eine der entscheidenden Fragen.Foto: dpa

In Berlin ist am Mittwoch der Startschuss für ein Projekt gefallen, bei dem sich zeigen dürfte, ob die Bundesbürger die Energiewende tatsächlich unterstützen. Die Unternehmen Tennet und TransnetBW, zwei der vier Betreiber des Höchstspannungsübertragungsnetzes hierzulande, stellten in Berlin ihre Pläne zum Bau einer riesigen Überlandleitung vor. „SuedLink“, wie sie das Vorhaben tauften, soll den Strom aus den Windparks in Schleswig-Holstein und der Nordsee in die süddeutschen Industriezentren transportieren. Tennet-Chef Lex Hartman sprach von einer „elektrischen Autobahn ohne Abfahrten“.

Der Plan sieht vor, dass der Strom im Städtchen Wilster (Schleswig-Holstein) eingespeist wird. Die Trasse soll vorbeiführen an Hannover (Niedersachsen), Höxter (NRW), Kassel (Hessen) bis ins fränkische Grafenrheinfeld. Dort, bei Schweinfurt, befindet sich auch ein großen Kernkraftwerk des Eon-Konzerns, das 2015 stillgelegt und dann rückgebaut werden soll. Erst ein Jahr später, 2016, wollen Tennet und TransnetBW das eigentliche Baugenehmigungsverfahren einleiten. Die 800 Kilometer lange Leitung, aufgehängt an bis zu 70 Meter hohen Masten, soll dann bis zum Jahr 2022, wenn das letzte deutsche Akw abgeschaltet wird, stehen.

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08.04.2014 11:42

SuedLink ist auch nur die erste von drei geplanten Nord-Süd-Stromtrassen, die bereits unter der schwarz-gelben Bundesregierung angeregt worden waren. Insgesamt sollen die Netzbetreiber mindestens zehn Milliarden Euro in 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte investieren. 2800 Kilometer Übertragungsnetze sollen neu gebaut und noch einmal so viele nachgerüstet werden, sieht ein zwischen Energiewirtschaft und Gesetzgeber abgestimmter Plan vor. Wo genau die nun vorgestellte Leitung verlaufen soll, steht noch nicht endgültig fest. Darüber werden die Betreiber mit den betroffenen Landkreisen und Kommunen verhandeln. Man werde schauen „wie sieht die Natur aus, wo wohnen die Menschen“, kündigte Tennet-Chef Hartman an.

Bereits am Mittwoch bekam Hartman einen Vorgeschmack davon, von wo der Wind politisch weht. Gegenwind kommt aus Bayern, wo sich bereits gegen ein anderes Leitungsprojekt zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Meitingen (Bayern) massiver Bürgerprotest formiert. Die CSU-Landesregierung hat bereits ein Moratorium gegen das Projekt gefordert und macht sich generell für eine Drosselung des Netzausbaus stark. Die Bayern wollen keinen Wind, sondern eine Förderung der heimischen Biomasse und Sonnenenergie.

Rückenwind für Suedlink kommt von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), der die heimische Windkraftindustrie verteidigt. „Wir müssen den Menschen doch ehrlich und mit Arsch in der Hose sagen, dass der Ausstieg aus der Atomenergie auch Folgen hat“, sagte Albig der Deutschen Presseagentur.

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