Wirtschaft : Stromhandel soll verdoppelt werden - Kooperationen in Polen geplant

Der Energiekonzern PreussenElektra AG, Hannover, verabschiedet sich mit einer durchwachsenen Bilanz vom bundesdeutschen Strommarkt. Dennoch sieht sich der zweitgrößte deutsche Stromversorger für die bevorstehende Fusion mit der Bayernwerk AG zur neuen Eon Energie gut gerüstet. Die letzte eigenständige Bilanz, die Vorstandschef Hans-Dieter Harig am Montag präsentierte, weist einen Rekordabsatz von 110,3 (Vorjahr 106,2) Milliarden Kilowattstunden Strom aus. Zugleich verzeichnete die Preussenelektra aber auch einen sinkenden Umsatz und ein rückläufiges Betriebsergebnis. Harig erklärte dies mit sinkenden Preise am liberalisiserten Strommarkt.

Die Bilanzpressekonferenz war zugleich der letzte große Auftritt des fast 75 Jahre alten Unternehmens am Stammsitz Hannover. Im Zuge der Fusion der Mutterkonzerne Veba und Viag zur Eon wechselt der Sitz der neuen Energie-Tochter mit Harig an der Spitze nach München. Der Zusammenschluss liege voll im Zeitplan und werde beiden im liberalisierten Energiemarkt mehr Schlagkraft verschaffen, sagte Harig. Vorgezeichnet ist dabei der Weg weg vom reinen Energieerzeuger hin zum Händler und Dienstleister.

Nur dank wesentlich geringerer Steuerzahlungen konnte Preussenelektra ihren Reingewinn trotz des Preisverfalls am freien Strommarkt in diesem Jahr nochmals um zehn Prozent auf die Rekordmarke von 2,56 Milliarden Mark steigern. Der Umsatz ging dagegen um gut eine Milliarde Mark auf 14,9 (Vorjahr: 16,1) Milliarden Mark zurück. Das Betriebsergebnis sank um 15 Prozent auf 2,9 (Vorjahr: 3,4) Milliarden Mark.

Harig deutete für den künftigen Energieriesen Eon Energie weitere strategische Allianzen im europäischen Ausland an. Zunächst aber müsse die anstehende Fusion erfolgreich bewältigt werden. Danach werde man sehen, ob bestehende Minderheitsbeteiligungen an ausländischen Energieunternehmen in Mehrheitsbeteiligungen umgewandelt werden könnten. Einen nennenswerten Abbau der rund 39 000 Beschäftigten bei Eon Energie müsse es nicht geben. Einsparungen seien auch denkbar, in dem weniger Arbeit nach außen vergeben werde, sagte Harig. Bei Preussenelektra selbst ging die Beschäftigtenzahl auf Grund der Zusammenschlüsse von Regionalversorgern um knapp 1400 auf gut 20 500 zurück.

Der Stromhandel mit derzeit 26 Milliarden Kilowattstunden soll sich schon in diesem Jahr verdoppeln. Der Direktvertrieb an Privatkunden außerhalb bisheriger Versorgungsgebiete entwickelt sich laut Harig mit bislang 32 000 Abschlüssen nur langsam. Wichtiger und auch kostengünstiger sei es, kommunale Vertriebspartner wie Stadtwerke für Kooperationen zu gewinnen.

Preussenelektra will in Polen als Stromhändler aktiv werden und dafür auch aus Russland Strom beziehen. Diese Kooperationen würden allerdings behutsam aufgebaut, sagte Vorstandschef Harig. Pragmatisch sieht Preussenelektra auch die erneuerbaren Energien. Die neue gesetzliche Regelung verteile nun die Lasten der Subventionierung auf alle Stromverbraucher, schaffe aber in Zeiten eines liberalisierten Strommarktes den einzig garantierten Abnahmepreis, der vom Markt völlig losgelöst sei. Deshalb prüfe nun auch die Preussenelektra AG den Bau von Windkraftanlagen.

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