Wirtschaft : Stromkonzern EnBW will den Börsengang verschieben

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Der Stromkonzern Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) will den für Mai geplanten Börsengang verschieben. Dies wird Konzernchef Gerhard Goll dem Aufsichtsrat empfehlen, der heute tagt. Obwohl die Vorbereitungen für den Börsenprospekt des drittgrößten deutschen Energielieferanten längst laufen, gibt Goll einer erfolgreichen Aktienplatzierung derzeit wenig Chancen. Auch beratende Banken wie die Deutsche Bank sollen abgeraten haben. Mit einem Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro sollte der Börsengang der Muttergesellschaft des Billiganbieters Yello eine der größten Emissionen in Deutschland in diesem Jahr werden.

Insgesamt sollten rund 25 Prozent der EnBW-Aktien an die Börse kommen. Sie liegen derzeit in kommunalen Händen. Die EnBW-Aktie ist zwar schon börsennotiert, doch nur 1,5 Prozent sind bislang in Streubesitz. Maßgeblicher Großaktionär ist der größte europäische Stromkonzern Electricité de France (EdF) mit 34,5 Prozent der Anteile. Gleichzeitig sind viele baden-württembergischen Städte und Gemeinden Mitaktionäre des Energiekonzerns. Vorstandschef Goll möchte sich offenbar nicht auf einen neuen Zeitpunkt für die Emission festlegen. Unangenehm ist die Vertagung in jedem Fall, da sie EnBW zwingt, die am 31. August fällige Wandelanleihe in Höhe von 490 Millionen Euro in bar zurückzuzahlen. Offenbar denkt der Konzern daher darüber nach, eine neue Anleihe aufzulegen.

Auch die kommunalen Mitaktionäre müssen besänftigt werden. Sie wollen mit dem Börsengang Kasse machen und erwarten eine schnelle Lösung. Ihnen ist versprochen, dass sie in diesem, spätestens im nächsten Jahr zu ihrem Geld kommen. Analysten halten eine Aktienplatzierung in diesem Umfang in der derzeitigen Börsensituation für problematisch. "Versorgungsunternehmen, die jetzt an die Börse wollen, müssten Abstriche beim Preis machen", sagt Lüder Schumacher von der Deutschen Bank.

Doch nicht nur die schlechte Stimmung an der Börse macht EnBW Schwierigkeiten. Auch die Ertragsentwicklung ist nicht so, wie sie sein sollte, heißt es in Analystenkreisen. Die Strom-Erträge leiden im Geschäft mit Großkunden unter massiven Preisverfall. Zudem macht der Ableger Yello noch immer hohe Verluste. Auch deshalb schrieb EnBW im Jahr 2000 im Stromgeschäft operativ rote Zahlen. Das Finanzergebnis der EnBW wird außerdem durch eine Vielzahl von Firmenkäufen strapaziert.

"Die Aktionäre wollen Perspektiven sehen. EnBW muss zeigen, dass die Erträge im Stromsegment steigen werden", sagt Christoph Keidel von der BW-Bank. Nach einem drastischen Preisverfall auf Grund des verschärften Wettbewerbs konnten die Stromkonzerne erst im vergangenen Jahr wieder Preiserhöhungen durchsetzen.

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