Wirtschaft : Stromkonzerne haben mit grünen Tarifen wenig Erfolg

MARKUS BALSER (HB)

DÜSSELDORF .Wenn Musical-Star "Joseph" im Essener Colosseum seinen Auftritt hat, kommt die Energie von oben.Wind- und Sonnenkraft versorgen zusätzlich zu herkömmlichem Strom die Leuchter im Saal und die Kühlboxen in der Pausenhalle.Ein Windrad vor der Tür oder Solarzellen auf dem Dach braucht "Joseph" dafür nicht.Die Stella-Produktion im Essener Colosseum gehört zu den neuesten Kunden des Förderprogramms für Ökostrom der RWE Energie AG in Essen.Billig ist das reine Energiegewissen nicht: Zusätzlich zum normalen Strompreis von durchschnittlich knapp 24 Pfennigen pro Kilowattstunde zahlen RWE-Kunden einen Zuschlag von 20 Pfennigen.RWE legt nochmal den gleichen Betrag drauf und investiert das Geld in neue Anlagen zur Erzeugung von Strom aus regenerativen Energiequellen.Allerdings muß der Kunde nicht den gesamten Strom über den Ökotarif beziehen.Der Mindesteinsatz liegt bei 20 DM pro Jahr."20 Photovoltaik- und zwei Windkraftanlagen sind mit dem Programm schon entstanden", sagt Erik Walner vom RWE.Mit der "Aktion Zukunftspfennig" fördert auch die Bayernwerk AG in München seit Anfang August regenerative Energien."Wir wollen Kunden die Möglichkeit geben, etwas für die Umwelt zu tun, die nicht gleich Tausende in eine Solaranlage investieren können", sagt Walter Weber, Leiter der Abteilung Regenerative Energien des Bayernwerks.Mindestbetrag für die Spenden, die in einen Umweltfonds fließen, ist ein Pfennig je Kilowattstunde.Als Geldanlage bieten die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) für 2500 DM Beteiligungen an ihrem Windpark "Neuland" an.Jede Kilowattstunde, die mit ihrem Anteil erzeugt wird, vergüten die HEW Kunden mit 17,15 Pfennigen plus zehn Pfennigen Förderzuschuß.Jährlich entspricht das einer Rendite von 7,5 Prozent.Ob beim RWE-Tarifzuschlag, im Fondsmodell oder bei Anlagemodellen, der Kundenkreis für Ökostrom-Initiativen ist klein.Die Teilnehmerquoten der etwa 15 deutschen Projekte liegen meist deutlich unter einem Prozent.So machen bei der RWE nur 15 000 der rund 2,8 Millionen Kunden mit."Wenn nur ein Prozent unserer Kunden mitmacht, kommt immerhin eine Mill.DM zusammen", sagt Bayernwerk-Vorstandssprecher Otto Majewski.Daß mehr drin wäre, wissen auch die Stromkonzerne.So liegt der Werbeetat des Bayernwerks gerade mal bei 500 000 DM.

Ein Problem, so Christof Timpe vom Freiburger Öko-Institut, seien die Kosten.Kaum ein Kunde zahle freiwillig mehr für den Ökostrom.Die grün angehauchte Klientel nehme Betreibern von Kernkraftwerken das Öko-Engagement nicht ab.Von Teilen der Stromwirtschaft werde das "Green Pricing" zudem als Königsweg gepriesen, um den Sonderlasten des Stromeinspeisegesetzes zu entkommen, bemängelt das Öko-Institut.

Weg vom Spendencharakter hin zu einer wirtschaftlichen Produktion wollen einige neue Energieunternehmen, die nach der Reform des Energiewirtschaftsgesetzes Ende April ans Netz gegangen sind oder demnächst in den Markt einsteigen.So will die Freiburger Solarstrom AG ab Oktober mit Sonnenenergie Gewinne erwirtschaften.Seit Juni arbeitet das Unternehmen an einer Kapitalerhöhung: Schon nach wenigen Wochen waren die Aktien überzeichnet."Wir wollen Kapital sammeln und Solaranlagen bauen, damit die industrielle Fertigung beginnen kann", erklärt Vorstand Schützeichel.Auf großen Dächern will das Unternehmen Solaranlagen montieren und den Strom in das Netz einspeisen.

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