Wirtschaft : Stromkonzerne: Southern rückt näher an Vattenfall heran

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Der amerikanische Energiekonzern Mirant (ehemals Southern Energy) strebt eine strategische Partnerschaft mit dem schwedischen Stromkonzern Vattenfall an. Mirant-Vorstand Jason Harlan sagte am Donnerstag, dass man Gespräche "über das gemeinsame Interesse an den Berliner Stromversorgern Bewag und Veag hinaus" führe. Dass diese strategische Abstimmung zu einem späteren Zeitpunkt auch zu einem Erwerb von Anteilen führen kann, wollte Harlan nicht ausschließen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stünde eine solche Entscheidung allerdings nicht an, sagte der Amerikaner mit Blick auf die unklare Privatisierungsperspektive des schwedischen Staatskonzerns. In erster Linie sei Mirant jetzt daran interessiert, zu einem partnerschaftlichen Führungsmodell bei der so genannten "vierten Kraft" im deutschen Strommarkt zu kommen.

Im Streit um den Erwerb der Anteile des Stromkonzerns Eon an der Berliner Bewag (Mirant: 26 Prozent) mit dem Vattenfall-Unternehmen HEW (Hamburger Electricitätswerke AG) würde er "nicht mehr auf eine Anteilsmehrheit bestehen", sagte Harlan. Mirant strebe allerdings eine "Gleichberechtigung" mit Vattenfall bei der Führung der Bewag und der noch zu bildenden Holding aus Veag/Laubag/HEW und Bewag an. Ob die seit Monaten zerstrittenen Verhandlungspartner Mirant und Vattenfall zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werden, sei beim gegenwärtigen Stand der Gespräche nicht vorhersehbar, sagte Harlan.

Mirant, die mit dem Teilbörsengang (20 Prozent) im vergangenen Herbst die Abkopplung vom amerikanischen Mutterkonzern Southern Company begonnen haben, wollen ihre eigenen Kraftwerkskapazitäten in Europa in den kommenden Jahren erweitern. Gegenwärtig beziehe das Unternehmen europaweit rund 800 Megawatt Kraftwerkskapazität aus der Beteiligung an der Bewag auf sich, sagte Mirant-Deutschlandchef Stefan Sprick-Schütte. In den kommenden Jahren soll diese Zahl auf rund 12 000 Megawatt anwachsen. Investitionsschwerpunkt sei dabei vor allem Südeuropa. Ob und in welchem Umfang Mirant selbst Kraftwerke in Europa bauen will, wollte Sprick-Schütte allerdings nicht sagen. In Deutschland strebe man verstärkt Partnerschaften oder Beteiligungen mit Stadtwerken an.

Das amerikanische Unternehmen habe im vergangenen Geschäftsjahr weltweit einen Umsatz von neun Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 366 Millionen Dollar erwirtschaftet. Die Börsenkapitalisierung bezifferte Harlan mit neun Milliarden Dollar. Im April würde sich Southern Company auch von den verbliebenen 80 Prozent der Mirant-Anteile trennen. Die Aktien gingen den Anteilen an Southern entsprechend direkt in den Besitz der Aktionäre von Southern Company über. Die Aktien von Mirant schlossen an der Wall Street am Mittwoch mit 25,65 Dollar, rund zwei Dollar unter dem Wert des ersten Handelstages Ende September 2000.

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