Stromkosten : Elektrizität im neuen Jahr noch teurer

Die Strompreise werden auch in diesem Jahr weiter steigen. Doch der Kunde kann mit einem Anbieterwechsel die Kosten senken. Optimal ist ökologisch wertvoller Strom zum vernünftigen Preis - das gibt es wirklich.

Hamburg - Die deutschen Haushalte müssen im neuen Jahr für Strom erneut mehr bezahlen. Der Strompreis stieg im Januar im Vergleich zum Vormonat im Schnitt um 5,3 Prozent. Das ergaben Berechnungen des Verbraucherportals Verivox für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ein Vier-Personen-Haushalt zahle in der Grundversorgung für seinen Stromverbrauch durchschnittlich 806 Euro bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden. Das sind knapp 41 Euro mehr als noch im Dezember 2006.

Im Vergleich zum Januar 2006 erhöhten sich die Strompreise den Berechnungen zufolge um sechs Prozent, verglichen mit dem Jahresbeginn 2005 im Schnitt um zehn Prozent. Verivox hat die Preise von 821 Stromversorgern in Deutschland verglichen. Die Auswertung ergab, dass die Haushalte bei einem Wechsel des Stromversorgers jährlich durchschnittlich 122 Euro sparen könnten.

Große regionale Unterschiede

Teuerster Anbieter sind demnach die Stadtwerke von Stockach am Bodensee, die aktuell 982 Euro verlangen. Das Unternehmen aus Baden- Württemberg berechnet damit 54 Prozent (344 Euro) mehr als der günstigste Stromversorger, die Energiewerke Isernhagen bei Hannover. Deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt zahlen auch die Kunden der Leipziger Stadtwerken, die zudem zum Jahreswechsel ihre Preise noch einmal nach Berechnungen von Verivox um gut 13 Prozent auf 941 Euro anhoben. Sogar um 15 Prozent erhöhten die Drewag-Stadtwerke Dresden ihren Strompreis. Die Mehrwertsteueranhebung sei für die Preiserhöhungen zum Jahreswechsel nur zum Teil verantwortlich.

Verivox zufolge nutzen zahlreiche regionale Anbieter die mangelnde Wechselbereitschaft ihrer Kunden aus und steigern mit hohen Preisen ihre Gewinne. "Solange nur wenige Kunden den teuren Energieversorgern den Rücken kehren, besteht für diese gar keine Veranlassung zu einer verbraucherfreundlichen Preispolitik", sagte der Leiter Energiewirtschaft bei Verivox, Peter Floyd Reese, der dpa. Auf dem liberalisierten Strommarkt können Verbraucher Tarif oder Anbieter wechseln. Verivox zufolge wäre bei einem Wechsel zum jeweils günstigsten verfügbaren Anbieter eine jährliche Ersparnis von durchschnittlich 122 Euro möglich. Beispielsweise könnten Kunden in Leipzig bei einem Wechsel von den Stadtwerken zum günstigsten möglichen Anbieter den Berechnungen zufolge 259 Euro jährlich sparen.

Vier Großkonzerne sind Preistreiber

Das Unternehmen selbst sieht sich mit seinen Preisen deutschlandweit im Mittelfeld. Die Preiserhöhung zum Jahresanfang, die nach Unternehmensangaben pro Kilowattstunde bei 9,3 Prozent gelegen hat, begründeten die Stadtwerke Leipzig mit den um fast 30 Prozent gestiegenen Beschaffungskosten. Für Privatkunden gebe es im übrigen Wahlmöglichkeiten bei den Tarifen.

Wichtigste Preistreiber sind einem Gutachten der TU Dresden zufolge aber die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall, die ihre Marktmacht missbrauchen und für überhöhte Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse sorgen würden. Zwischen 2005 und Juni 2006 hätten die Preise demnach rechnerisch zwischen 20 und 30 Prozent über dem Niveau gelegen, das bei vollem Wettbewerb herrschen würde, ermittelte die in der Vorwoche veröffentlichte Studie im Auftrag des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK).

Stromkonzernen besser überwachen

Die Bundesnetzagentur geht seit längerem vor allem durch Senkung der Netzentgelte gegen überhöhte Strompreise vor. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eine schärfere Kontrolle der Strompreise angekündigt. Trotz heftiger Kritik der großen Energiekonzerne soll unter anderem die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht erhöht werden. Das Kartellamt könnte dann von den Unternehmen verlangen, Kosten und Kalkulationen offen zu legen. Das von Glos vorgelegte Maßnahmepaket wird voraussichtlich im Frühjahr beschlossen.

Verivox betreibt sein Verbraucherportal seit 1998. Dort können Stromkunden schnell, unkompliziert und kostenfrei alle Telekommunikations- und Energietarife vergleichen und durch einen Anbieterwechsel bares Geld sparen, erklärte der Anbieter. Verivox bezeichnet sich als unabhängiger und neutraler Dienstleister. (tso/ddp)

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