Wirtschaft : Stromkunden haben ihre Chance vertan

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Von Tobias Symanski

Das Geschäft mit dem Strom läuft wieder. Nicht nur weil die großen Energiekonzerne ihre Kosten deutlich reduziert haben, sondern auch, weil sie zuletzt steigende Preise durchdrücken konnten. Und schon steht im neuen Jahr der nächste Preisschritt bevor. Deutschlands größter Energieversorger RWE hat angekündigt, die Strompreise weiter zu erhöhen, um höhere Kosten, insbesondere durch die Tarifabschlüsse, aufzufangen. Im Reigen der großen Energieversorger wird dies nicht die letzte Ankündigung bleiben. Denn nach wie vor können sich die Energiemultis solche Schritte leisten. Trotz der freien Wahl des Energieanbieters wissen die Stromlieferanten ganz genau, dass ihre Kunden trotz des Andrehens der Preisschraube nicht zur Konkurrenz wechseln. Nur so ist es zu erklären, dass sich seit dem Beginn der Liberalisierung der Energiemärkte 1998 weniger als fünf Prozent der Kunden einen neuen Stromanbieter gesucht haben.

Damals hätte es sich wirklich gelohnt. Inzwischen ist die Gelegenheit, mit einem Wechsel des Anbieters richtig Geld zu sparen, wieder verflogen. Während industrielle Großabnehmer nach der Liberalisierung durchaus einen Kostenvorteil von 25 Prozent erzielen konnten, wurde das „Experiment freier Markt“ für den Privatkunden zum Nullsummenspiel. Dazu hat vor allem die Politik der Bundesregierung beigetragen. Eine steigende Stromsteuer und die Umlagen aus der Finanzierung der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung haben den Liberalisierungseffekt zu einem Großteil wieder abgeschöpft. Will der Kleinkunde ein paar Euro beim Strom sparen, so muss er sich verbrauchsarme Geräte anschaffen - oder das Licht früher ausschalten.

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