Wirtschaft : Stromkunden sollen Klimaschutz zahlen

Versorger bereiten sich auf steigende Kosten durch den Emissionshandel vor – die sollen umgelegt werden

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Hamburg Der ab Januar geplante Emissionshandel wird nach Einschätzung der Versorger auf den Strompreis durchschlagen. „Wie genau der Emissionshandel wirkt, ist zwar noch nicht klar, aber in der Tendenz wird er zu steigenden Preisen führen“, sagt Klaus Rauscher, Vorstandschef der Vattenfall Europe AG. In den Terminkontrakten des Stromgroßhandels sei der Effekt bereits zu spüren, sagt ein Sprecher der Leipziger Strombörse EEX.

Wie ernst die Versorger den neuen Kostenfaktor nehmen, zeigt der rege Handel, der sich schon vor dem eigentlichen Start entwickelt. Energiekonzerne, Banken und Rohstoffhändler schließen zunehmend Termingeschäfte über die Emissionszertifikate, die 2005, 2006 und 2007 ausgegeben werden. Im Oktober wurden schon Emissionsberechtigungen für 2,5 Millionen Tonnen an Kohlendioxid gehandelt, nach einer Million Tonnen im September. Mit steigendem Handelsvolumen wird auch der Preis verlässlicher: Nach zunächst starken Schwankungen pendelt sich der Preis je Tonne Kohlendioxid bei rund 8,50 Euro ein.

Dabei warten in Deutschland noch viele Unternehmen auf den Bescheid vom Umweltbundesamt, mit wie vielen Zertifikaten sie zum Start des europaweiten Emissionshandels am 1. Januar rechnen können. Ab dann müssen sie für jede Tonne Kohlendioxid, die sie ausstoßen, eine Berechtigung vorweisen. Kommen sie mit den zunächst kostenlos zugeteilten Zertifikaten nicht aus, müssen sie von anderen Unternehmen welche zukaufen. Auf diese Weise soll der Ausstoß des Treibhausgases schrittweise verringert werden. Zwar wird den Anlagenbetreiber in der ersten Phase bis 2007 nur eine geringe Verringerung der Emissionen auferlegt; sollte die Konjunktur anziehen, könnten die Zertifikate nach Einschätzung von Branchenexperten aber dennoch knapp werden.

Nach anfänglichem Widerstand haben sich die Energiekonzerne auf das neue System eingestellt. Die vier großen Versorger Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg AG haben ihre Handelsabteilungen entsprechend aufgestellt. Alle vier beteiligen sich bereits am Terminhandel. „Der Markt wird zunehmend liquider“, sagt Ludwig Kons, der bei RWE Trading für den Emissionshandel zuständig ist. Die Zahl der Handelspartner steige. Europaweit beteiligten sich inzwischen über 40 Unternehmen.

Kons erklärt, wie der Emissionshandel künftig auf den Strompreis durchschlagen kann: Bleibe ein emissionsfreies Kernkraftwerk bei der jährlichen Revision nur einen Tag länger vom Netz, benötige ein Versorger viele Zertifikate. Wenn er die Tagesproduktion von 24000 Megawattstunden mit Kohleblöcken ersetze, die je Megawattstunde 1,1 Million Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, bräuchte er Zertifikate für 25000 Tonnen. Bei einem Preis von 8,5 Euro summieren sich die Kosten auf über 200000 Euro.

Der Preis der Emissionszertifikate wird nach Kons Worten demnächst aber von vielen Faktoren abhängen – auch vom Wetter. In einem feuchten Jahr würden rund 150 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestoßen als in einem trockenen: „Dann laufen Wasserkraftwerke auf Hochtouren, und fossile Kraftwerke sind kürzer am Netz.“ juf/HB

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