Stromlieferant : 20.000 Berliner kündigen Vattenfall

Aus Ärger über die Preiserhöhung wechseln die Verbraucher zur Konkurrenz. Konzernchef Rauscher will sie zurückgewinnen.

Stefan Kaiser,Heike Jahberg
Vattenfall
Die Berliner Vattenfall AG hat 2007 einen Rekordgewinn verbucht. -Foto: ddp

BerlinDer Stromanbieter Vattenfall hat nach Angaben von Konkurrenten innerhalb weniger Wochen mehr als 20 000 Kunden in Berlin verloren. Das hat eine Umfrage des Tagesspiegel ergeben. Die Wettbewerber führen das auf die Preiserhöhungen beim drittgrößten deutschen Stromanbieter zurück. Vattenfall-Deutschlandchef Klaus Rauscher räumte am Donnerstag starke Verluste ein. Es seien aber „deutlich weniger“ als von der Konkurrenz berichtet, schränkte Rauscher ein. Er sagte, er wolle verlorene Kunden durch „mehr Beratung und Aufklärung“ zurückgewinnen.

Vattenfall hatte am 15. Mai angekündigt, die Preise für den wichtigsten Tarif in Berlin um durchschnittlich 6,5 Prozent zu erhöhen und hatte damit breite Entrüstung bei den Kunden ausgelöst. Für Irritationen hatten vor allem die Briefe gesorgt, mit denen die Verbraucher über die Veränderungen informiert wurden. In den Schreiben hatte Vattenfall nur auf teure Tarife hingewiesen und günstige Alternativen unerwähnt gelassen. Vertriebsvorstand Hans-Jürgen Cramer hat sich mittlerweile bei den Kunden entschuldigt. Vattenfall ist jedoch nicht der einzige Anbieter, der die Preise anzieht. Ab dem 1. Juli müssen sich Stromerzeuger ihre Erhöhungen nicht mehr bei den Landesbehörden genehmigen lassen.

Allein der Konkurrent Nuon hat nach eigenen Angaben seit Anfang Mai rund 18 000 Kunden in Berlin und 12 000 in Hamburg gewonnen. Diese stammten zum überwiegenden Teil von Vattenfall, sagte Nuon-Sprecherin Heike Klumpe. „Im Moment wachsen die Kundenzahlen ungebremst weiter“, berichtete Klumpe.

Neben Nuon geben auch andere Anbieter an, Vattenfall-Kunden gewonnen zu haben. „Wir haben in Berlin seit der Ankündigung von Vattenfall bisher 2121 neue Verträge abgeschlossen“, sagte Dirk Hempel von Flexstrom. Bis Ende des Monats rechnet er mit 3000 – „in der Regel ehemalige Vattenfall-Kunden“.

Auch der Anbieter Eprimo, der ab Juli zu hundert Prozent dem Stromkonzern RWE gehören wird, hat seit Mai deutlich mehr Neukunden gewonnen als üblich. „Aus Berlin sind in den vergangenen Wochen rund tausend neue Kunden zu uns gewechselt“, sagte Sprecher Jürgen Rauschkolb. Normal seien in diesem Zeitraum 200 bis 300 Interessenten.

Die EnBW-Tochter Yello und der zum Eon-Konzern gehörende Anbieter E wie Einfach wollten ihre Kundengewinne nicht beziffern. „Alle Wettbewerber profitieren von der Situation“, sagte ein Sprecher von E wie Einfach. „Grundsätzlich gewinnen wir Kunden, auch in Berlin und Hamburg.“ Yello-Geschäftsführer Peter Vest sagte: „Wir freuen uns, dass die Verbraucher jetzt zunehmend von ihrem Recht auf den Stromanbieter ihrer Wahl Gebrauch machen und wechseln.“

Vattenfall-Chef Rauscher kündigte an, man werde die genauen Zahlen in den kommenden Tagen prüfen. „Egal ob 10 000 oder 15 000, es sind zu viele“, sagte Rauscher am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit Blick auf die Verluste in Hamburg und Berlin. Sein Vorstandskollege Cramer hatte in der vergangenen Woche noch von „einigen 100“ verlorenen Kunden gesprochen. „Wir bemühen uns, unsere Kunden zurückzugewinnen“, sagte Rauscher. So sollen zum Beispiel günstige Tarife in Zukunft stärker beworben werden. Die Preiserhöhung will er jedoch nicht rückgängig machen.

Verbraucherschützer raten den Kunden, sich gegen die Erhöhungen zu wehren. „Wir empfehlen unzufriedenen Stromkunden, den Wechsel zu einem anderen Anbieter zu prüfen“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Berlin. Wer bei Vattenfall bleiben wolle, solle sich über günstigere Tarife beraten lassen.

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