Wirtschaft : Strommarkt: Betriebsräte fordern HEW-Einstieg bei Bewag

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Rund 20.000 Mitarbeiter der ostdeutschen, Berliner und Hamburger Stromversorger haben am Freitag Konzernvorstände und Politiker aufgefordert, die Verhandlungen um die Bildung eines großen Stromverbundes voranzutreiben. Die Betriebsräte der Unternehmen fordern, den Weg für eine Anteilsmehrheit des Hamburger Versorgers HEW bei der Bewag frei zu machen und die Zusammenführung beider Unternehmen mit der Braunkohleindustrie in den neuen Bundesländern.

In einem dem Tagesspiegel vorliegenden Schreiben an Berlins Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) appellieren die Betriebsräte der Bewag, von HEW, der ostdeutschen Veag und der Braunkohleunternehmen Laubag und Mibrag gemeinsam, alle "offenen Fragen zur Gestaltung eines nordostdeutschen Energieverbundes konstruktiv voranzutreiben". Die Zeit dränge, argumentieren die Arbeitnehmervertreter und fordern Diepgen auf, den Weg für ein gemeinsames Angebot der Unternehmen HEW und Bewag für die Veag/Laubag/Mibrag politisch frei zu machen.

Im Klartext sprechen sich die Betriebsräte der Energieunternehmen, die gegenwärtig gemeinsam mehr als 20 000 Menschen beschäftigen, gegen eine Übernahme der Aktienmehrheit des amerikanischen Anteilseigners Southern Energy (SEI) bei der Bewag aus. SEI blockiert bis heute die Übernahme der Aktienmehrheit der Bewag vom Mehrheitseigentümer Eon, um die Anteile selbst zu übernehmen. Ohne die Mehrheit an der Bewag weigert sich allerdings der Hamburger Versorger HEW mit dem schwedischen Stromkonzern Vattenfall im Hintergrund, gemeinsam mit der Bewag ein Angebot für die ostdeutschen Unternehmen Veag/Laubag/Mibrag, die noch bis zum Jahresende verkauft werden sollen, abzugeben. Die Bewag droht im Bieterkampf um die Ost-Betriebe leer auszugehen.

"Wir wollen einen Verbund mit der HEW", sagte Bewag-Betriebsratsvorsitzender Herbert Strobel, dem Tagesspiegel am Freitag in Berlin. Nur so hätte das Berliner Unternehmen im härter werdenden Konkurrenzkampf eine Überlebenschance. Ziehen sich die Verhandlungen der Unternehmen HEW, Southern Energy und des Landes Berlin um die Verteilung der Aktien der Bewag noch länger hin, fürchtet Strobel, dass die Bewag keine Chance haben wird, Teil der so genannten "vierten Kraft" im deutschen Strommarkt zu werden. "Für unsere Zukunft wäre das fatal". Da auch die Betriebsräte der Veag, Laubag, Mibrag und des Hamburger Versorgers befürchteten, dass der angestrebte gemeinsame Stromkonzern nicht zustande kommen könne, habe man sich entschieden, nun auch die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Gewerkschaften ÖTV, IG Bergbau und IG Metall außer acht zu lassen und gemeinsam Position zu beziehen. Für die kommende Woche kündigte Strobel weitergehende Aktionen in der Öffentlichkeit an.

Aus beteiligten Kreisen war am Freitag zu erfahren, dass Verhandlungen zwischen HEW und SEI am Donnerstag ergebnislos vertagt worden seien. Die amerikanischen Bewag-Eigentümer beharren offenbar weiterhin darauf, ein Vorkaufsrecht für die Bewag-Aktien der Eon zu besitzen, während HEW mit der Bewag beim Veag-Bieterverfahren nur dann ein gemeinsames Konsortium bilden will, wenn die Hamburger bis dahin die Mehrheit beim Berliner Unternehmen haben.

Da das Bieterverfahren um die frei werdenden Anteile der Veag/Laubag/Mibrag am 15. November endet und die Bewag- und HEW-Aufsichtsräte am 13. und 14. November letztmalig vor diesem Termin zusammen kommen, bleiben für eine Lösung des Streits mit Southern Energy nur noch knapp zwei Wochen. Ob ein Spitzengespräch von HEW, Southern Energy, Eon und dem Berliner Senat in der kommenden Woche zustande kommt, sei bis zum Wochenende noch nicht klar, hieß es. Gegenwärtig hält SEI 26 Prozent an der Bewag. Wegen der Fusion von Veba und Viag zur Eon müssen diese ihre 49-Bewag-Prozent verkaufen. Sie haben diese im August der HEW angeboten. SEI und das Land Berlin blockieren den Deal mit einstweiligen Verfügungen.

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