Wirtschaft : Strommarkt: Bewag warnt Kartellamt vor Veag-Verkauf an HEW

asi

Wenige Tage vor dem Ende der Verkaufsfrist für 49 Prozent der Aktien des Berliner Versorgers Bewag durch den Stromkonzern Eon am 13. März deuten sich starke zeitliche Parallelen zwischen dem Streit um die künftige Vorherrschaft bei der Bewag und den Verkauf der ostdeutschen Energieunternehmen Veag/Laubag an die Hamburger Electricitätswerke HEW an. Wie aus Kreisen der beteiligten Unternehmen am Donnerstag verlautete, erwarten bis zum Wochenende nicht nur die streitenden Parteien Eon und Mirant (vormals Southern Energy) eine Vorentscheidung im Streit um die Bewag. Auch das Bonner Bundeskartellamt, das den Veag/Laubag-Verkauf seit Wochen prüft, beobachtet interessiert die für Freitag und Sonnabend in der Nähe von Frankfurt (Main) angesetzten Schiedsverhandlungen um die Bewag-Anteile. Zum Hintergrund: Der amerikanische Bewag-Eigentümer Mirant hatte im vergangenen Jahr rechtliche Schritte gegen den Verkauf der 49 Prozent der Bewag von Eon an HEW eingeleitet, weil Mirant ein Vorkaufsrecht für die Anteile seines Konsortialpartners Eon bei der Bewag ableitet. Von den drei Schiedsrichtern wird zwar am Sonnabend noch kein abschließender Schiedsspruch, aber eine tendenzielle Äußerung, erwartet.

Folgen die Schiedsrichter den Argumenten von Eon, die ihre Bewag-Aktien an HEW verkaufen wollen, werde es auch dem Bonner Kartellamt leichter fallen, dem Verkauf der ostdeutschen Unternehmen an HEW zuzustimmen, hieß es am Donnerstag. In dem Fall wäre eine Eingliederung der Bewag in den neuen nordostdeutschen Stromkonzern einfacher, als im gegenteiligen Fall. Denn neigen die Richter dazu den Argumenten der Amerikaner von Mirant zu folgen, ist die Eigentumsfrage in dem Stromverbund weiter offen, weil Mirant mit dem HEW-Mehrheitseigentümer Vattefall mit Sitz in Stockholm auch im Streit um Veag/Laubag liegt.

In ungewöhnlich scharfer Form hat sich nun die Bewag in den Streit eingemischt. In einer dem Tagesspiegel vorliegenden Erklärung an das Bundeskartellamt fordert der Berliner Stromversorger die Wettbewerbshüter auf, den Verkauf der ostdeutschen Stromer Veag/Laubag an HEW zu untersagen. Andernfalls werde sich "die Wettbewerbslage der Bewag AG spürbar verschlechtern", schreibt das Unternehmen. Begründet wird diese Befürchtung vor allem damit, dass "der Zusammenschluss von HEW und Veag/Laubag zu einer dramatischen Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung von Eon auf dem deutschen Strommarkt" führen und sich die Macht des "Duopol RWE/Eon verfestigen" werde. Das ursprünglich anvisierte Ziel, mit dem Verkauf der ostdeutschen Unternehmen den deutschen Marktführern RWE und EON eine wirksame Wettbewerbsgröße entgegenzusetzen, werde so nicht erreicht, schreibt die Bewag.

Das Berliner Unternehmen mahnt die Prüfer im Kartellamt, die Kooperation von HEW und Eon insbesondere durch deren gesellschaftsrechtliche Verflechtung bei den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel nicht zu unterschätzen. Bei Gemeinschaftskraftwerken, argumentiert die Bewag, komme es zu "genauen Absprachen", was wettbewerbsverzerrende Auswirkungen auf das Strompreisniveau und die Position der anderen Stromhändler habe. Einen weiteren Ansatz der Nähe von HEW zu Eon leitet die Bewag aus der finanziellen Schwäche der Hamburger ab. Da HEW "nicht über die nötigen Mittel verfügt", um Veag/laubag zu erwerben und im Markt zu positionieren, vermutet die Bewag, wird sich das Hamburger Unternehmen in eine "erhebliche finanzielle Abhängigkeit zu Eon" begeben müssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar