Wirtschaft : Strommarkt: Brüssel ebnet den Weg für Eon (Kommentar)

Katharina Voss

Auch wenn die Auflagen schmerzhaft sind: Die Fusionskandidaten Veba/Viag haben die Brüsseler Entscheidung sehnlich erwartet. Ihnen öffnet die Entscheidung der europäischen Wettbewerbshüter das Tor zum internationalen Wettbewerb. Veba und Viag werden mit dem neuen Eon-Konzern zum drittgrößten Anbieter in Europa. Zugleich hat das deutsche Kartellamt auch den Weg für die Fusion von VEW und RWE frei gemacht. Das sind gute Ausgangspositionen für das internationale Geschäft.

Aber nicht nur die großen Energiekonzerne profitieren von der Brüsseler und der Bonner Entscheidung. Auch die rund 950 kommunalen Energieversorger haben allen Grund zur Dankbarkeit. Sie profitieren von den bitteren Pillen, mit denen die Wettbewerbshüter die Genehmigung der Großfusion verziert haben. Dazu gehört in erster Linie der Ausstieg aus dem ostdeutschen Braunkohleverstromer Veag, an dem Veba/Viag und RWE/VEW mit insgesamt rund achtzig Prozent beteiligt sind.

Für jeden anderen, der in den Energiemarkt will, gilt: Je mehr unabhängige Unternehmen es in Deutschland gibt, desto besser für den Wettbewerb. Auf Platz drei unter den deutschen Versorgern werden nach den Fusionen die Energiewerke Baden-Württemberg liegen, deren Kooperation mit der finanzkräftigen Eléctricité de France bereits beschlossene Sache ist. Mit der geplanten Übernahme von 25 Prozent des Unternehmens haben sich die Franzosen in Deutschland eine starke Position geschaffen.

Wenn jetzt der Verkauf der Veag an einen ebenso finanzkräftigen Investor gelänge, würde in Ostdeutschland eine vierte große Kraft auf dem deutschen Energiemarkt entstehen. Immerhin wird dem Unternehmen langfristig eine blendende Zukunft vorausgesagt, auch wenn mittelfristig noch Subventionen gezahlt werden. Für die Veag beginnt jetzt der Countdown: Eon hat nach der Brüsseler Entscheidung sechs Monate Zeit, die Auflagen zu erfüllen. Wird keine Lösung gefunden, setzt die EU einen Treuhänder ein, der auch unter dem Mindestpreis verkaufen darf.

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