Wirtschaft : Strommarkt: Die Bewag muss ihre Chance nutzen

Antje Sirleschtov

In der deutschen Strombranche werden die Karten neu gemischt. Nicht nur Marktführer RWE/VEW und Eon suchen nach Wegen, zu Energiekonzernen mit europäischem Format zu werden. Auch die Karlsruher EnBW sichert mit einem starken französischen Partner ihre Zukunft ab. Und was wird aus der Bewag? Mit vielen Kunden in Berlin gesegnet und dennoch überregional ohne jede Bedeutung braucht auch die Bewag starke Partner, um in der Verteilung des europäischen Marktes nicht unterzugehen. Den Berlinern könnte in dieser Situation nichts Besseres passieren als ein fester Unternehmensverbund mit den Braunkohleverstromern Veag und Laubag. Denn mittelfristig gesellen sich in einer solchen Holding zu der hauptstädtischen Kundenschar die effektivsten Kraftwerke in Deutschland. Schlösse sich diesem Konzern auch noch der Hamburger Versorger HEW an und damit dessen Eigentümer, der schwedische Konzern Vattenfall, entstünde nicht nur eine energiewirtschaftlich sinnvolle "vierte Kraft" in der deutschen Strombranche. Diese "vierte Kraft" bekäme über Vattenfall sogar eine europäische Dimension. Berlin - als Zentrum dieser Stromholding - könnte wie kaum eine andere Stadt in Deutschland von der Liberalisierung der Energiewirtschaft profitieren. Zum Nutzen der Mitarbeiter. Und zum Gewinn der Eigentümer. Doch daraus wird wohl nichts. Denn seit Wochen streiten HEW/Vattenfall und der Bewag-Eigentümer Southern Energy um die Vorherrschaft bei der Bewag - und setzen damit das Unternehmen der Gefahr aus, bei der Bildung der "vierten Kraft" außen vor zu bleiben. Nur noch knapp acht Wochen bleiben der Bewag, sich mit HEW/Vattenfall auf ein gemeinsames Gebot für den ostdeutschen Stromverbund Veag/Laubag zu einigen und damit ihre Chancen im Bieterverfahren zu erhöhen. Geht die Bewag im Veag/Laubag-Rennen leer aus, ist es beinahe egal, wer in Zukunft in Berlin Mehrheitsaktionär wird.

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