Wirtschaft : Strommarkt: Die Zeit der Gebietsmonopolisten ist vorbei

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Mit der EU-Binnenmarkt-Richtlinie für Elektrizität fiel vor drei Jahren der Startschuss für den Wettbewerb auf dem Strommarkt. Im April 1998 wurde der deutsche Markt liberalisiert. Damit ist das Zeitalter der Gebietsmonopolisten vorbei. Nach dem neuen Energierecht müssen die etablierten Energieversorger grundsätzlich auch fremden Strom durch die Netze leiten. Alle Stromkunden können ihre Lieferanten frei wählen. An Anbietern mangelt es angesichts von 900 Versorgern nicht. Bei Großkunden führte der neue Wettbewerb zu Preisnachlässen bis zu 30 Prozent. Inzwischen sinken auch die Preise für Haushaltskunden.

Nach Angaben der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke haben die Kunden im vergangenen Jahr 15 Milliarden Mark weniger für elektrische Energie bezahlt als 1998. Danach sank der Umsatz der Stromwirtschaft bei stagnierendem Stromabsatz um ein Fünftel von 80 auf 65 Milliarden Mark. Die industriellen und großen gewerblichen Stromkunden bezahlten 25 Milliarden Mark und damit elf Milliarden Mark weniger als ein Jahr davor. Die Stromkosten für die Tarifkunden - also vor allem die Haushalte - sanken um knapp zehn Prozent auf 40 Milliarden Mark.

Leipziger Strombörse startet

Ein wichtigte Rolle dürfte in diesem Zusammenhang in Zukunft die Strombörse spielen, die an diesem Mittwoch in Leipzig startet. Die Leipziger Börse wird gegen den Konkurrenten European Energy Exchange (EEX) antreten, der im Frühherbst in Frankfurt (Main) mit dem Stromhandel beginnen will. Die Sachsen setzen dabei auf das Konzept der skandinavischen Strombörse Nord Pool in Oslo. Die LPX hat 20 Mitarbeiter und will in etwa drei Jahren die Gewinnzone erreichen.

Die LPX wird zu je 35 Prozent von der Landesbank Sachsen und Nord Pool getragen. Je 15 Prozent halten Sachsen und die Stadt Leipzig. Der Einstieg weiterer Gesellschafter wie der Bankgesellschaft Berlin und des Landes Thüringen ist geplant. Das Eigenkapital der LPX beläuft sich auf rund acht Millionen Euro.

Leipzig bietet zunächst einen Spotmarkt für Strom an, an dem Stromlieferungen in Stundenblöcken für den kommenden Tag vereinbart werden. In einem halben Jahr soll ein Terminmarkt folgen. Auf diesem einigen sich zwei Marktteilnehmer auf eine Lieferung zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem festgelegten Preis. "Wir rechnen zum Start mit zehn bis 15 Kunden, in Kürze werden es sicherlich 30 oder mehr sein", ist sich Carlhans Uhle, Chef der Strombörse Leipzig, sicher. Getrieben wird der Handel dadurch, dass Strom zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten unterschiedlich viel kostet.

Die Leipziger Börse ist optimistisch, sich gegenüber dem Konkurrenten Frankfurt (Main) durchsetzen zu können. Mittelfristig soll in Leipzig ein Fünftel des in Deutschland erzeugten Stroms gehandelt werden. Allerdings haben sich die großen deutschen Stromversorger im Vorfeld auf Frankfurt (Main) eingeschworen.

Ostdeutsche bleiben ausgeschlossen

Allerdings werden die ostdeutschen Verbraucher davon nicht profitieren können. "Ostdeutschland bleibt von der Nutzung des Wettbewerbsinstruments einer Strombörse ausgeschlossen, da an der Börse gehandelter Strom durch die Verweigerungshaltung der Veag und die noch immer geltenden Einschränkungen der Braunkohleschutzklausel nicht durchgeleitet werden kann", sagte der Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke, Wolfgang Wille, am Dienstag.

Die Strompreise seien in Ostdeutschland im Durchschnitt immer noch höher als in Westdeutschland. Das sei ein erheblicher Standortnachteil. Die Vorteile einer Strombörse, die vor allem im günstigen Einkauf von Strom in unterschiedlichen Lastzeiten liegen, werde den ostdeutschen Energieunternehmen zum Nachteil der Kunden verwehrt.

Nach Ansicht von Wille ist die Etablierung der Strombörse in Leipzig ein wesentlicher Schritt zum Ausbau der Messestadt als ostdeutsches Energiezentrum. "Wir haben aber auch gehofft, dass sie bundesweit als Signal verstanden wird und sich Ostdeutschland endlich für den Energiewettbewerb öffnen darf", betonte er. Auf Grund von Liquiditätsproblemen lege die Veag die Braunkohleschutzklausel und die damit verbundene Möglichkeit der Durchleitungsverweigerung extensiv zum Nachteil der Stromverbraucher im Osten aus. Die Veag brauche deshalb eine politische Lösung, denn die ostdeutsche Braunkohle sei langfristig rentabel.

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