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Wirtschaft : Strommarkt: Eon bietet acht Milliarden Euro für Powergen

ews

Für die freundliche Übernahme von 100 Prozent des Eigenkapitals der Powergen plc, London, bietet die Eon AG, Düsseldorf, den Aktionären 765 Pence (12,19 Euro) je Aktie in bar. "Dies sehen wir als ein faires Angebot an", erklärte Eon-Vorstandsvorsitzender Ulrich Hartmann, der auch den kompletten Rückzug aus dem Chemiegeschäft ankündigte, auf das zurzeit noch fast ein Viertel des Konzernumsatzes entfällt. Insgesamt beträgt der Kaufpreis 8,2 Milliarden Euro. Der Powergen-Unternehmenswert einschließlich Verbindlichkeiten beläuft sich auf 15,3 Milliarden Euro.

Nach den Genehmigungen durch zahlreiche Behörden in USA und Europa, die bis Jahresende erreicht werden sollen, könnte der Deal bis Mitte 2002 abgewickelt sein. Der mit dem Powergen-Management abgestimmte Preis liegt um 8,4 Prozent höher als der Schlusskurs vom vergangenen Freitag und um 25,8 Prozent über dem Kurs vom 16. Januar, dem letzten Handelstag vor der EonBestätigung von Verhandlungen mit Powergen, die gleich starke Standbeine in USA und Großbritannien hat. Auch die Analysten bewerten die Offerte überwiegend positiv. Sie liegt am unteren Ende der allgemeinen Erwartungen von 750 bis 800 Pence. Die Eon-Aktie zählte mit einem Plus von über sechs Prozent zu den Tagesgewinnern

Dass Eon noch ein Strich durch die Akquisitionsrechnung gemacht wird, glaubt Hartmann nicht. In Europa seien nur wenige Unternehmen in der Lage, ein solches Barangebot zu machen. Dazu zählt er die Essener RWE, den britischen Marktführer Scottish Power und die spanische Endesa. Eon könne nicht nur diese Übernahme aus eigener Liquidität bewältigen. 30 bis 40 Milliarden Euro betrage der Finanzspielraum, ohne dass eine Kapitalerhöhung notwendig sei.

Für Eon ist die Übernahme des englischen Versorgers "ein strategischer Doppelschlag nach Großbritannien und USA", wie Hartmann weiter erklärte. Mit einem Stromabsatz von 323 Terawattstunden (TWh) und 30 Millionen Strom- und Gaskunden steigt der Düsseldorfer Konzern zur Nummer zwei unter den Energiedienstleistern weltweit auf. Spitzenreiter ist die Electricité de France mit mehr als 420 TWh. Knapp die Hälfte des Absatzes erzielt Eon nun im Ausland, wo "hervorragende" Positionen in Großbritannien, Skandinavien, Osteuropa und eine gute Plattform in USA erworben wurden. Powergen zählt Hartmann nicht zu den synergie-getriebenen Akquisitionen. Die würde erst im nächsten Schritt in den USA erfolgen. Denn rund um die LG & E Energy Corp., Louisville/Kentucky, im Mittleren Westen der USA seien noch interessante Energiefirmen angesiedelt. "Und der stark fragmentierte amerikanische Markt steht erst am Anfang einer Deregulierungs- und Konsolidierungsphase", gibt der Eon-Chef die Zielrichtung vor. In Europa würden sich "ein paar Große kloppen und gegenseitig die Preise hochjubeln". In USA dagegen seien noch niedrigere Preise möglich.

Die Transaktion mit Powergen liege in etwa auf dem Niveau der Börsenbewertung von britischen und europäischen Versorgern - "aber unterhalb der Schwelle von jüngsten Akquisitionen in Spanien und England", meint Hartmann mit Seitenblick auf den Konkurrenten RWE. So liege auf Basis des Ergebnisses vor Steuern (Ebitda) 2000 der Faktor für Powergen beim 8,3-fachen. Beim Kauf von Thames Water durch RWE errechnen Analysten das Zehnfache, das EnBW-Angebot für Hydrocantabrico bewegt sich nach deren Zahlen beim Elffachen. Die Eon Energie AG, München, wird das Geschäft in Mitteleuropa einschließlich der Neuwerbung Sydkraft aus Schweden führen. Powergen wird das Kompetenzzentrum für den angelsächsischen Raum werden.

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