Strommarkt : Eon will in Russland das große Geld verdienen

Nach dem Scheitern der milliardenschweren Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa setzt Deutschlands größter Energieversorger Eon jetzt auf Russland. Die Eintrittskarte in den Markt hat der Versorger bereits.

Claus Haffert[dpa]
Eon
Energieversorger Eon muss wegen Wettbewerbsverstößen 38 Millionen Euro in die EU-Gemeinschaftskasse zahlen. -Foto: AFP

DüsseldorfBis zu 4,6 Milliarden Euro will Eon-Chef Wulf Bernotat in die Hand nehmen, um den Stromversorger OKG-4 komplett zu kaufen. Für vier Gaskraftwerke und ein Kohlekraftwerk mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren ist das eine Menge Geld - aber eine Investition die sich nach Einschätzung von Bernotat lohnt. Schließlich biete der russische Strommarkt ein "enormes Wachstumspotenzial", ist der Eon-Chef überzeugt.

OGK-4 sei die Eintrittskarte für Eon zu einem der attraktivsten Energiemärkte der Welt. Weitere Übernahmen hält sich Bernotat deshalb offen. "Wir werden uns die weiteren Prozesse anschauen, unsere Analysen machen und dann entscheiden", sagte er in einer Telefonkonferenz. Noch gebe es aber keine Entscheidung über ein weiteres Engagement. Schon im Mai hatte Eon mit einem russischen Partner in Sibirien ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Geld für weitere Käufe ist bei Eon reichlich vorhanden. Für eine Anfang des Jahres gestartete Wachstumsoffensive stehen Bernotat 60 Milliarden Euro zu Verfügung.

Liberalisierung des russischen Strommarktes bis 2012

Trotz der Langfristperspektive will Eon in Russland schon relativ schnell Geld verdienen. Bis 2011 würden die Energiepreise in Russland nahezu das Niveau der Eon-Kernmärkte erreichen, ist Bernotat überzeugt. In Russland soll der Strommarkt bis 2012 vollständig liberalisiert werden. Ein Schritt dazu ist die Zerlegung des staatlichen Monopolisten RAO UES in sechs Gesellschaften.

Mit OKG-4 könne sich Eon den wertvollsten der Kraftwerksgesellschaften sichern, betonte Bernotat. Schließlich habe OKG-4 deutlich jüngere Anlagen und eine bessere Auslastung als die anderen fünf Gesellschaften. Die Niederlage gegen den italienischen Konkurrenten Enel bei der Versteigerung des Stromkonzerns OGK-5 im Juni lasse sich da verschmerzen, soll das wohl heißen. Schon im Übernahmekampf um die spanische Endesa hatten die Italiener den Düsseldorfer Rivalen aus dem Feld geschlagen.

Eon verfügt über viel Erfahrung auf den politisch schwierigen Energiemarkt Russland. Die Gastochter Eon Ruhrgas ist mit 6,5 Prozent am russischen Gasmonopolisten Gasprom beteiligt, ihr Vorstandschef Burckhard Bergmann sitzt als einziger Ausländer im Gasprom-Aufsichtsrat. Doch dass dies keine Garantie für reibungslose Geschäfte ist, bekommt auch Bernotat zu spüren. Die Beteiligung am sibirischen Erdgasfeld Juschno-Russkoje, über die Eon seit langem verhandelt, ist noch nicht in trockenen Tüchern.

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