Wirtschaft : Strommarkt: Industrie sieht Liberalisierung bedroht

Der deutsche Strom- und Gasmarkt benötigt nach Überzeugung der industriellen Großverbraucher einen weiteren Öffnungsschub. Die Nutzungsentgelte im Stromwettbewerb seien noch viel zu hoch, sagte der Präsident des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Horst Wolf, am Donnerstag in Berlin.

Strom ist nach Angaben des VIK aber als Produktionsfaktor für den Standort Deutschland zumindest kein Wettbewerbshemmnis mehr. Das Preisniveau sei seit Mai 1998 um 28 Prozent gesunken. Bei Erdgas sei zwar noch kein einziger Durchleitungsfall bekannt. Immerhin hätten Gaslieferanten aber die Preise um zehn bis 15 Prozent reduziert. Wolf sprach sich entschieden gegen ein Importverbot für so genannten "schmutzigen Strom" aus Osteuropa aus. Wer überschüssigen Atomstrom habe, solle ihn in einem einheitlichen Binnenmarkt in Europa auch exportieren können. VIK-Geschäftsführer Hans-Jürgen Budde sagte, der Preis für Strom aus Osteuropa liege weit unter zwei Pfennig je Kilowattstunde (kWh), deutlich unter dem deutschen Niveau.

Im deutschen Strommarkt liegen laut VIK zwei Drittel der Preisangebote der Netzbetreiber über den Höchstpreisen der zu Jahresanfang in Kraft getretenen Verbändevereinbarung II, die 4,10 Pfennig vorsehe. Am billigsten sei RWE in Essen mit 3,13 Pfennig und am teuersten e.dis Energie Nord in Fürstenwalde mit 7,10 Pfennig.

Kritik übte der VIK am Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung, das unübersehbare Wettbewerbsverzerrungen auslöse. Es stelle eine "Subventionsgießkanne zu Gunsten der Stadtwerke" dar. Industrieunternehmen, die Strom und Fernwärme in eigenen Anlagen erzeugen und damit über das ganze Jahr einen hohen Nutzungsgrad erreichen, würden dagegen benachteiligt. Auch die gesetzlich auf lange Zeit festgeschriebenen "extrem hohen Subventionen" für erneuerbare Energien bedrohten die Erfolge der Strommarktliberalisierung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar