Wirtschaft : Strommarkt: Kartellamt nimmt Netzbetreiber ins Visier

Das Bundeskartellamt hat bundesweit die Stromnetzbetreiber ins Visier genommen, um faire Chancen für neue Anbieter zu erreichen. Gegen 22 Netzbetreiber - Stadtwerke, Regionalversorger und Verbundunternehmen - seien Untersuchungen wegen des Verdachts überhöhter Durchleitungsgebühren und Behinderung anderer Anbieter eingeleitet worden, teilte die Behörde am Donnerstag in Bonn mit. Auch in verschiedenen Bundesländern wie Bayern, Hessen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern liefen bereits ähnliche Ermittlungen der Landesbehörden.

Die betroffenen Unternehmen haben vier Wochen Gelegenheit zur Stellungnahme. Sollte sich der Anfangsverdacht erhärten, wird das Kartellamt ein förmliches Missbrauchsverfahren eröffnen. Ein solches Verfahren läuft bereits gegen den ostdeutschen Stromversorger Edis Energie Nord AG, der mehrheitlich zum Eon-Konzern gehört.

Auf dem inzwischen liberalisierten Strommarkt ist der Netzzugang zu einem Hauptstreitpunkt zwischen Betreibern wie Stadtwerken und neuen Firmen geworden. Neue Stromanbieter sind auf die Netze der Ex-Monopolisten, der großen Konzerne und örtlichen Versorger, angewiesen. Sie müssen den Netzbetreibern für die Durchleitung von Strom ein Entgelt bezahlen.

Das Kartellamt habe erhebliche Unterschiede bei den geforderten Durchleitungsgebühren festgestellt, erläuterte Präsident Ulf Böge. Die Differenz betrage bis zu 80 Prozent. Dies sei als "deutliches Indiz" für einen Missbrauch zu werten. "In enger Abstimmung mit den Landeskatellbehörden werden wir konsequent gegen Behinderungen einschreiten und den Wettbewerb im Strombereich sicherstellen." Das Kartellamt prüft auch, ob Netzeigentümer Strombeschaffung und -vertrieb über die Durchleitungsentgelte quersubventionieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar