Strommarkt : Netzagentur legt sich mit drei weiteren Konzernen an

Im Kampf gegen hohe Strompreise geht die Bundesnetzagentur nach Vattenfall nun auch gegen RWE, EnBW sowie die Thüringer Energienetze GmbH vor. Die Preisvorgaben gelten bereits ab Dienstag.

Bonn - Die Wettbewerbsbehörde kürzte den Netztöchtern der Energieriesen RWE und EnBW sowie der Eon-Tochter TEN Thüringer Energienetze GmbH die beantragten Kosten für den Transport von fremdem Strom um bis zu 14 Prozent, wie die Netzagentur am Montag in Bonn mitteilte. Zuvor hatte die Netzagentur bereits Vattenfall zu niedrigeren Gebühren verdonnert. Die Stromkosten für die Verbraucher dürften dadurch leicht sinken. Der Bund der Energieverbraucher zeigte sich dennoch enttäuscht.

Die großen Konzerne erheben Netznutzungs-Gebühren dafür, dass Firmen wie etwa die Stadtwerke Strom durch ihre Leitungen zu den Verbrauchern bringen können. Sie machen gut ein Drittel des Endkundenpreises aus. Die dafür zugrunde gelegten Kosten veranschlagt die Netzagentur jedoch in den drei aktuellen Fällen niedriger als die Konzerne selbst: EnBW soll einen Abschlag von acht Prozent hinnehmen, RWE von neun Prozent und die TEN von rund 14 Prozent. Die Preisvorgabe gilt ab Dienstag bis Ende 2007.

Die Konzerne protestierten gegen den Bescheid. EnBW nannte ihn «in der Sache unbegründet und rechtlich fragwürdig» und will rechtliche Schritte prüfen. RWE-Vorstandschef Berthold Bonekamp kritisierte die unterschiedliche Genehmigungspraxis der Netzagentur und der zuständigen Landesbehörden. «Wir brauchen einheitliche Spielregeln», unterstrich er. RWE geht nach eigenen Angaben von einem Umsatzrückgang im «hohen zweistelligen Millionenbereich» aus. Eon wollte die Entscheidung vorerst nicht kommentieren.

Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher zeigte sich von den Kürzungen enttäuscht: «Das ist so marginal, dass es kaum Auswirkungen hat.» Die Stromkosten für die Privathaushalte verringerten sich durch die Entscheidung im Schnitt um maximal zwei Euro im Jahr, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Eine Sprecherin der Netzagentur sagte: «In Cent gerechnet ist der Betrag nicht riesig, aber letztlich wirkt sich jede Entgeltkürzung positiv aus.» Nach Angaben von Peters liegen die Netznutzungsgebühren in Deutschland im europäischen Vergleich um 20 bis 30 Prozent zu hoch. Allerdings lasse die aktuelle Gesetzeslage deutlichere Kürzungen kaum zu. (tso/AFP)

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