Strommarkt : Netzagentur will alle Stromriesen zu Gebührensenkungen zwingen

Das Exempel Vattenfall könnte Schule machen: Die Bundesnetzagentur will nun auch Eon, RWE und EnBW zu geringeren Durchleitungsgebühren verpflichten.

Berlin - Im Kampf gegen hohe Strompreise will die Bundesnetzagentur nach Vattenfall auch die drei anderen deutschen Energieriesen Eon, RWE und EnBW zur Senkung ihrer Gebühren für den Transport von Strom zwingen. Er hoffe, «noch im Juli» die nächsten Entscheidungen bekannt geben können, sagte Behördenchef Matthias Kurth der «Berliner Zeitung». Vattenfall Europe hatte einen entsprechenden Bescheid bereits im Juni erhalten. Der Konzern muss die Preise für die Durchleitung von Strom kleinerer Anbieter um 18 Prozent senken und klagt dagegen vor Gericht.

Durchleitungsgebühren erheben die großen Versorger dafür, dass Firmen wie die Stadtwerke Strom durch ihre Leitungen zu den Verbrauchern bringen können. Eine Absenkung würde daher auch die Verbraucherpreise drücken.

Kurth rechnet mit Klagen auch der übrigen drei großen Netzbetreiber. «Es wäre eher überraschend, wenn nicht geklagt werden würde», sagte er. Schließlich handle es sich um die ersten Entscheidungen seiner Behörde zu Strom-Entgelten. Da sei es verständlich, wenn die Unternehmen testeten, «ob unsere Bescheide gerichtsfest sind». Die Bemühungen der Netzagentur zur Öffnung der Strommärkte würden dadurch aber nicht behindert. «Schließlich sind unsere Beschlüsse sofort vollziehbar - selbst dann, wenn dagegen geklagt wird», sagte der Behördenchef.

Kurth verwahrte sich zugleich gegen Vorwürfe der Stromunternehmen, seine Regulierungsbehörde gefährde deren Investitionskraft. Dies sei «reine Stimmungsmache». Die Netzagentur erledige ihre Arbeit «in aller Objektivität und Neutralität». Sie habe ihre Absichten gegenüber der Stromwirtschaft auch stets transparent gemacht. «Bei vielen Energiekonzernen ist man aber erst reichlich spät aufgewacht», sagte Kurth.

Der Behördenchef kritisierte seinerseits, dass die Energieunternehmen wichtige Unterlagen etwa zur Abschreibungsdauer und zum Restwert der Anlagen seiner Behörde verspätet eingereicht hätten, «obwohl wir diese Zahlen und Daten von Anfang an angefordert hatten». Dies habe nun zur Folge, dass seine Behörde immer noch mit der Bearbeitung dieser Unterlagen beschäftigt sei: «Hätten die Unterlagen gleich komplett vorgelegen, wären wir schon fertig.» (tso/AFP)

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