Wirtschaft : Strommarkt: Späte Rache im ostdeutschen Netz (Kommentar)

Antje Sirleschtov

Jetzt ist auch im Osten der Strommarkt frei: Nachdem das Berliner Landgericht am Donnerstag den ostdeutschen Stromversorger Veag dazu verurteilt hat, fremden Strom durch sein Netz zu leiten, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die im Energiewirtschaftsgesetz festgeschriebene Braunkohleschutzklausel endgültig fällt. Jeder Stromlieferant wird nun seine elektrische Ware direkt zum Kunden in die neuen Bundesländer liefern können, ohne sich von der Veag an der alten Ost-West-Zonengrenze abweisen lassen zu müssen. Auch wenn die Veag das Urteil noch anfechten will, - schon jetzt ist sicher: Seit gestern ist das letzte Gebietsmonopol im deutschen Strommarkt gefallen. Bis zuletzt hatten sich die westdeutschen Stromkonzerne, denen die Veag gemeinsam gehört, mit Hilfe des Gesetzgebers in Ostdeutschland einen abgeschotteten Strom-Markt gesichert. Beinahe wie eine späte Rache für dieses Monopol erscheint es, dass die Eigentümer der Veag gerade jetzt vom Kartellamt gezwungen werden, ihre Unternehmensanteile zu verkaufen. Denn ohne Braunkohleschutzklausel ist die Veag nicht viel wert. Nur das Monopol sicherte dem Unternehmen noch einen Mindestabsatz für seinen Braunkohle-Strom, dessen Preis in den vergangenen Monaten immer weniger wettbewerbsfähig wurde. RWE, VEW und die Partner im neuen Eon-Konzern werden nun kaum die erhofften Kaufpreise für ihre Anteile erhalten. Vorteilhaft für eine raschen Neuordnung des gesamtdeutschen Strommarktes ist das allemal. Denn die Eintrittsbarrieren für ausländische Interessenten an der Veag und damit am deutschen Markt hat das Urteil des Berliner Landgerichtes deutlich gesenkt.

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