Wirtschaft : Strommarkt: Stromkonzern EdF steigt in Deutschland ein

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Die Brüsseler EU-Kommission hat am Mittwoch die gemeinsame Kontrolle des französischen Staatskonzerns EdF und der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) über das erfolgreiche Stromunternehmen Energie Baden-Württemberg (EnBW) erwartungsgemäß gebilligt. Im Gegenzug verpflichtet sich die EdF, den Strommarkt in Frankreich, den sie bisher fast völlig beherrscht hat, zumindest teilweise zu öffnen.

Nachdem die EU-Wettbewerbshüter noch im Dezember vergangenen Jahres ,,schwere Bedenken" gegen den deutsch-französischen Stromverbund geäußert hatten, konnten sie nun dem Verkauf der bisher vom Land Baden-Württemberg gehaltenen Anteile an der EnBW an die Electricité de France (EdF) zustimmen, weil die betroffenen Unternehmen sich bereit erklärten, eine Reihe von Auflage zu erfüllen. Um neuen Wettbewerbern den Zugang zum französischen Markt zu erleichtern, muss die EdF 6000 Megawatt-Stunden über Auktionsverfahren zum Produktionspreis abgeben. Das entspricht etwa 30 Prozent des inzwischen für den Wettbewerb geöffneten Strommarkts für Großkunden in Frankreich. Bisher hatte die EdF rund 90 Prozent dieses Marktes gehalten. Die drei anderen Wettbewerber auf dem erst kürzlich geöffneten Teilmarkten, zwei französische Unternehmen und die zur RWE-Gruppe gehördende Harpen AG, teilten sich die restlichen 10 Prozent.

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Deutschlands Stromkonzerne

Um zudem ihre marktbeherrschende Stellung in Frankreich zumindest etwas abzubauen, muss die EdF außerdem ihre Stimmrechte an der Companie Nationale du Rhone (CNR), einem regionalen Stromerzeugungsunternehmen, freiwillig aufgeben und zudem alle ihre Vertreter aus der Geschäftsführung der CNR abziehen.

Auf der anderen Seite des Rheins muss die EnBW, die künftig von der EdF und den OEW zu jeweils 34 Prozent der Anteile kontrolliert wird, ihre Anteile an der schweizerischen Elektrizitätsgesellschaft Watt AG abgeben. Die Brüsseler Wettbewerbsexperten hatten gefürchtet, dass die EdF auf dem Umweg über die EnBW ihre Postion auf dem Schweizer Stommarkt ausbauen könnte. Über die Atel, einem wichtigen Schweizer Stromanbieter, hat die EdF seit Jahren den Fuß in der Schweizer Tür, die nun für den französischen Staatskonzern wieder etwas geschlossen werden soll.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti versuchte am Mittwoch die Zustimmung zum rechtsrheinischen Zukauf der EdF zu begründen und die von der deutschen Konkurrenz als "weich" bezeichneten Auflagen zu rechtfertigen: "Die Zusagen, die nun von der EdF gegeben werden, öffnen den Weg zur Entwicklung des Wettbewerbs auf dem französischen Elektriziätsmarkt". Die nun erzwungene Teilliberalisierung des Strommarktes in Frankreich gleiche die Nachteile aus, die durch den Zusammenschluss für den Wettbewerb zu befürchten seien.

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