Wirtschaft : Strommarkt: "Was passiert, wenn mein neuer Stromversorger Pleite geht?"

Was muss ich tun[wenn ich den Stromanbieter wechs]

Viele Stromverbraucher möchten den Anbieter wechseln, und einige haben diesen Schritt bereits gewagt. Das gilt besonders in Berlin. Während sich im Bundesdurchschnitt bisher nur rund vier Prozent der Haushalte einen neuen Stromlieferanten gesucht haben, sind es in Berlin rund zehn Prozent. Der Grund: Der ortsansässige Versorger, die Bewag, gehört traditionell zu den teuren Unternehmen auf dem Markt. Obwohl der Anbieterwechsel noch nie so umkompliziert war, gibt es bei vielen Verbrauchern noch Vorbehalte. Die häufigsten Fragen, die Sie - unsere Leser - uns in den vergangenen Wochen gestellt haben, möchten wir noch einmal aufgreifen. Mit Hilfe unserer Stromexperten Stefan Hadré, Leiter des Produktmanagements bei der Bewag, Martin Köhnemann von www.stromtip.de, Gero Lücking vom Ökostrom-Lieferanten Lichtblick und Andreas Müller, Sprecher des Stromanbieters Yello, wollen wir die wichtigsten Fragen beantworten.

Was muss ich tun, wenn ich den Stromanbieter wechseln möchte?

Nicht viel. Sie müssen einen neuen Lieferanten auswählen und sich mit diesem in Verbindung setzen. Der neue Versorger teilt Ihnen dann mit, welche Daten er von Ihnen braucht, um Sie bei Ihrem bisherigen Anbieter abzumelden. Wichtig sind Ihre Personalien und die bisherigen Kunden- und Zählernummern. Außerdem müssen Sie dem neuen Versorger eine Vollmacht unterschreiben, mit der er Ihren Vertrag kündigen kann.

Kann ich meinen alten Vertrag nicht selber kündigen?

Nein. Denn nur wenn Ihr neuer Lieferant kündigt, ist sichergestellt, dass sie keinesfalls eines Tages ohne Strom dastehen. Ansonsten könnte es passieren, dass Ihre Kündigung wirksam wird, aber der neue Anbieter noch gar nicht liefern kann.

Wie lange dauert es, bis der neue Anbieter liefert?

Sie müssen mit einer Frist von sechs bis acht Wochen rechnen. Das liegt zum einen an den Kündigungsfristen, die etwa für den Bewag-Tarif "BerlinKlassik" einen Monat betragen. Hinzu kommen noch bürokratische Hemnisse. Bislang sind die Datenformate für die Korrespondenz zwischen den Unternehmen noch nicht vereinheitlicht, und die Netzbetreiber bestehen darauf, dass die Händler ihnen eine Originalvollmacht des Kunden vorlegen. Dieser Verwaltungsaufwand soll ab Mai jedoch deutlich sinken, weil sich die Wirtschaft auf einheitliche Regeln verständigt hat.

Was verbirgt sich hinter best energy?

Best energy ist eine hunderprozentige Bewag-Tochter, die ihren Strom deutlich billiger anbietet als die Mutter. Das liegt daran, dass best energy als neuer Anbieter mit niedrigen Preisen versucht, im Bundesgebiet Marktanteile zu gewinnen.

Können auch Berliner ihren Strom von best energy kaufen?

Ja, natürlich. Allerdings wirbt best energy in Berlin nicht aktiv, um der Bewag nicht in die Quere zu kommen.

Zu den billigsten Stromanbietern in Berlin gehören Reseller von best energy. Was ist ein Reseller?

Reseller von best energy wie K & K Energie oder Mehrstrom sind Vertriebspartner. Sie werben Kunden an, die Abrechnung und Verwaltung übernimmt dann aber best energy. Die Reseller können die Tarife von best energy sogar noch unterbieten, weil sie die Möglichkeit haben, ihre Vertriebsprovisionen an die Kunden weiterzugeben.

Kann ich meinen Stromvertrag jederzeit kündigen?

Wann Sie kündigen können, hängt von Ihrem Vertrag ab. Viele Lieferverträge haben eine Mindestlaufzeit, etwa von einem Jahr. Das heißt: Im ersten Jahr sind Sie an den Lieferanten gebunden. Welche Kündigungsfristen Sie danach beachten müssen, ist ebenfalls in Ihrem Vertrag geregelt. Die Fristen für eine Kündigung schwanken meist zwischen einem und drei Monaten.

Was passiert, wenn ich innerhalb Berlins umziehe?

Wenn Sie Bewag-Kunde sind und innerhalb Berlins umziehen, nehmen Sie Ihren Stromvertrag mit, das heißt Sie behalten Ihren Tarif. Sollten sich Ihre Lebensumstände aber geändert haben, etwa durch eine größere Wohnung oder zusätzliche Elektrogeräte, so dass das Angebot nicht mehr passt, wird die Bewag auf Wunsch Ihren Vertrag umstellen.

Kann ich bei meinem Umzug nicht auch gleich einen anderen Versorger auswählen?

Das ist grundsätzlich möglich. Allerdings sollten Sie bedenken, dass es zwischen sechs und acht Wochen dauert, bis der neue Anbieter liefert. Außerdem gibt es einige Unternehmen, denen der Verwaltungsaufwand zu hoch ist und die nur Wechselkunden akzeptieren. Sie möchten sich nicht der Gefahr aussetzen, die Anmeldebürokratie erledigt zu haben, und dann beschließt der Kunde, doch nicht in die neue Wohnung zu ziehen. Fragen Sie also vorher sicherheitshalber beim Stromhändler Ihrer Wahl nach.

Ich beziehe Strom für meine Nachtspeicherheizung von der Bewag. Kann ich auch damit wechseln?

Der Wechsel ist technisch einfach, wenn Sie zwei Zähler haben. Allerdings ist er wirtschaftlich nicht sinnvoll, weil das Bewag-Angebot ausgesprochen günstig ist.

Lichtblick wirbt damit, nur Öko-Strom zu verkaufen. Kann ich der Werbung trauen?

Ja. Lichtblick kauft seinen Strom nicht an der Börse ein, sondern direkt von den Erzeugern. 70 Prozent stammen aus regenerativer Energie wie Wasser und Wind, 30 Prozent aus Kraft-Wärme-Koppelungs-Erdgas. Daher können Sie sicher sein, dass Sie nur Ökostrom bekommen.

Was ist eigentlich Öko-Strom?

Das ist nicht einheitlich geregelt. Es gibt Händler wie Lichtblick, die Strom aus regenerativen Energiequellen und Fernwärme mischen. Andere Anbieter verwenden ausschließlich Strom aus regenerativer Energie wie Wasser und Biomasse. Das gilt zum Beispiel für den Bewag-Tarif "Öko Pur". Möglich ist aber auch, dass Händler konventionellen Strom verkaufen, pro Kilowattstunde jedoch einen Aufpreis verlangen, den sie dann in regenerativen Anlagen investieren.

Kann ich Geld sparen, indem ich mich mit meinen Nachbarn zusammenschließe und wir gemeinsam Strom bestellen?

Ja, das wäre dann ein so genannter Strompool. Allerdings ist es ratsam, wenn Sie sich an Ihre Hausverwaltung wenden und diese dann für die Mieter verhandelt.

Was passiert, wenn ich meinen Stromlieferanten wechsle und der neue Anbieter dann Pleite geht?

Wenn der neue Anbieter in Konkurs geht, ist der Netzbetreiber am Ort - in Berlin die Bewag - gesetzlich verpflichtet, Sie mit Strom zu versorgen. Sie würden in dem Fall automatisch den Tarifstrom, also "BerlinKlassik", geliefert bekommen.

Welche zusätzlichen Gebühren kann mir mein bisherige Versorger in Rechnung stellen, wenn ich zur Konkurrenz gehe?

Keine. Früher war es üblich, dass die Platzhirschen von ihren Kunden Wechselgebühren verlangt haben oder darauf bestanden haben, dass man mit ihnen einen Netznutzungsvertrag schließt. Einige Stadtwerke haben sogar gefordert, dass der Kunde einen neuen Stromzähler einbaut. Diese Schikanen gehören jedoch der Vergangenheit an. Nach der geltenden Verbändevereinbarung für den Strombereich, die die Wettbewerbsregeln für die Branche festlegt, sind sowohl Wechselgebühren als auch das Doppelvertragsmodell verboten.

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