Stromnetze : "Europa der Energie" gefordert

Nach dem Stromausfall in Westeuropa von Samstagabend wird in der EU über eine Änderung der Netzstrukturen nachgedacht. Die Kommission will eine zentrale Verwaltung der europäischen Stromnetze.

Paris/Brüssel - "Wir haben ein europäisches Netz - und das muss auch auf EU-Ebene verwaltet werden", sagte ein Sprecher von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. Vorschläge, die Piebalgs im Januar vorlegen will, sähen vor, europaweit geltende Vorschriften zur Netzsicherheit erlassen zu können.

Dazu sollten sich die nationalen Netzbetreiber regelmäßig in einem festen Rahmen treffen. Piebalgs nannte die Stromausfälle "inakzeptabel". Das Thema Energiesicherheit zeige die Schwächen der bisherigen nationalen Zuständigkeiten für die Stromnetze. "Die Energiesicherheit wird besser durch einen gemeinsamen europäischen Ansatz gewährleistet als durch 27 verschiedene Ansätze."

Frankreichs Premier Dominique de Villepin sagte, die Panne habe gezeigt, wie dringlich die Schaffung eines "Europas der Energie" sei. Allein in Frankreich sei am Samstagabend die Elektrizität in fünf Millionen Haushalten ausgefallen, sagte Villepin bei einer im Fernsehen übertragenen Sitzung zur Europapolitik mit einem Großteil seines Kabinetts. Die Panne habe "Verletzbarkeiten und Unzulänglichkeiten" belegt. In den kommenden Monaten müsse eine gemeinsame europäische Energiepolitik vorangebracht werden. Andere Regierungsmitglieder verwiesen auf die zunehmende Vernetzung der EU-Staaten.

Ursachen noch unklar

Während ein Großteil des Stroms in Frankreich aus Atomkraftwerken stammt, brauche das Land auch Gaskraftwerke, die "sehr schnell starten", sagte Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton. In den kommenden 25 bis 30 Jahren seien "beträchtliche Investitionen" von mehr als einer Billion Euro erforderlich, um eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten. Industrieminister François Loos zeigte sich zufrieden, dass ein völliger "Blackout" in Frankreich verhindert wurde. Die Ursachen des teils mehr als eine Stunde dauernden Stromausfalls seien noch nicht geklärt, sagte er. Man vermute aber, "dass die vielen Windkraftwerke in Deutschland Stromspitzen erzeugen, wenn es Windstöße gibt". (tso/AFP)

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