Wirtschaft : Strompreise: Börsen schaffen Transparenz - Auswirkungen auf Preise wahrscheinlich

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Die Strompreise könnten in Deutschland dank der neuen Strombörsen weiter sinken. Der Vorstand der gerade gestarteten European Energy Exchange (EEX), Hans Schweickardt, sagte am Mittwoch in Frankfurt (Main), zwar stünden die Kosten für den Endkunden nur in indirektem Zusammenhang mit dem Geschehen an den Börsen. Zu den gehandelten Preisen kämen beispielsweise noch Lieferkosten hinzu. Die durch die Handelsplätze geschaffene Transparenz dürfte aber Auswirkungen auf die Preise für die Industrie und Privathaushalte haben.

Die Konsequenzen der Energiebörse für den Verbraucher sind derzeit nur schwer abzusehen. Allerdings deuten die Erfahrungen in Skandinavien auf einen Trend zu billigerem Strom hin. Dort hat die Strombörse dafür gesorgt, dass die Strompreise um etwa ein Drittel gesunken sind. Auch der VDEW teilte mit, Stromerzeuger und Stromhändler könnten mit Hilfe der Handelsplätze ihre Produktion und Beschaffung optimieren und diese Kostenvorteile an die Kunden weitergeben. Dennoch blieben Prognosen schwer. In Ausnahmefällen seien auch steigende Preise vorstellbar.

Nach Einschätzung des VDEW und der EEX ist in Deutschland langfristig wohl kaum Platz für mehrere Strombörsen. VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller erklärte, er sei überzeugt, dass der Markt in Deutschland letztlich mit einer Energiebörse auskomme. Schweickardt sagte, für zwei oder drei Strombörsen sei in der Bundesrepublik kein Platz. Die EEX sei immer zu Gesprächen und Kooperationen bereit. Auch nach Ansicht unabhängiger Beobachter, etwa des Dresdner Bank-Experten Hayo Knoch, bietet der Strommarkt keine unendlichen Möglichkeiten. Damit werde sich über kurz oder lang die Notwendigkeit ergeben, den Handel zu konzentrieren. Die Frankfurter EEX-Oberen selbst hatten vor einem Jahr schon betont, dass "nur eine integrierte Energiebörse mit europäischem Anspruch wirtschaftlich lebensfähig und für die Marktteilnehmer sinnvoll ist". Unabhängig davon allerdings haben die Leipziger Börsianer mit kräftiger Unterstützung der skandinavischen Strombörse Nord Pool einen eigenen Stromhandel aufgezogen.

An der EEX, die zunächst mit einem Spotmarkt für den Stromhandel startete, wurden den Angaben zufolge am ersten Tag 12 223 Megawattstunden Strom gehandelt. Im Gegensatz zu der LPX bietet die Frankfurter Konkurrenz nach eigenen Angaben nicht nur eine tägliche Auktion an, sondern auch, ähnlich wie bei Aktien, den fortlaufenden Handel. Am Spotmarkt können einzelne Stunden, aber auch Stromblöcke für Grund- und Spitzenlast gehandelt werden. Also für die Zeiten, in denen der Stromverbrauch besonders hoch oder besonders niedrig ist, wie in der Nacht.

Derzeit gibt es an EEX drei Produkte: Strom für Einzelstunden und zwei sogenannte Blockkontrakte. Der eine bezieht sich auf zu liefernden Strom für die Grundlast zwischen null und 24 Uhr, der andere auf die Spitzenlast zwischen acht und 20 Uhr. Dies entspricht dem Wunsch der Energiewirtschaft. Die Preise, die gestern an der EEX vereinbart wurden, schwankten je Kilowattstunde umgerechnet zwischen 2,05 Pfennig und 3,32 Pfennig je Kilowattstunde. Am billigsten war der Nachtstrom, der heute morgen zwischen ein und fünf Uhr an die Großabnehmer geliefert wird, am teuersten der Strom, der heute in der Spitzenzeit zwischen acht und neun Uhr in die Netze gespeist wird.

Die EEX rechnet damit, dass in etwa drei Jahren 15 bis 20 Prozent des deutschen Stromverbrauchs über Börsen gehandelt werden könnten. Zugleich setzt sich die EEX ehrgeizige Ziele für die Zukunft: So soll künftig auch Gas an der Börse gehandelt werden, wenn der Gasmarkt erst einmal liberalisiert ist.

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